Tour 1998,  8. - 14. Juli

StreckeDistanz (km)Steigung (m)
Kilchberg - Meiringen1131480
Meiringen - Zweisimmen1341940
Zweisimmen - Lullin1432760
Lullin - Le Lieu1202570
Le Lieu - Lignières1341790
Lignières - Kilchberg152210
Total79610690

Karte
Strecken


1. Tag: 8. Juli 1998

Profil1

Die Wettervorhersagen waren leider richtig: Polarluft hatte die Schweiz übernacht erreicht. Es war kalt für die Jahreszeit und es hatte bis unter 2000 m geschneit. Kein Wetter, um eine Fahrrad-Tour zu unternehmen. Anderseits wollte ich doch meine 1998 Tour mit dem Tennisturnier von Gstaad kombinieren, dafür wir schon Billete hatten. Ich fuhr also zuerst nach Meiringen, aber nicht wie zuerst geplant über den Susten.
Nach dem ersten kleinen Pass dieser Tour (der altbekannte Albis) habe ich Richtung Zug gesteuert. Nachher habe ich es vorgezogen, die Hauptstrass Richtung Luzern, und deren grossen Verkehr, zu meiden, dafür aber über einige Hügel zu fahren, bis ich am Vierwaldstättersee runter kam. Schliesslich war ich in Luzern gegen 11 Uhr, und ich fuhr weiter dem See entlang. Als ich dann gerade vom See wegfharen war, hat es angefangen zu regnen. Dies gab mir den Anlass, in Alpnachstad in einem Restaurant anzuhalten, wo ich eine Suppe und einen Teller Teigwaren bestellte. Ich kannte die Region seit meinem Militärdienst in der Flugwaffe schon. Ich konnte mich auch am Rest der Strecke erinnern, weil ich bei meiner Tour 1993 diesen Weg schon gefahren war. Aber diesmal war das Wette anders. Bei solchen Temperaturen hatte meine Beine keinen guten Wirkungsgrad.
Am Anfang der Steigung zum Brünigpass kam ich zusammen mit einem anderen Radfahrer. Er war aus San Diego, Kalifornien. Wir sind miteinander hinaufgefahren, und weil es immer noch kalt war, haben wir oben zusammen einen Tee getrunken. Nach etwas Plaudern sind wir jeder seinen Weg weitergefahren. Für mich war es nach Meiringen hinunter. Glücklicherweise war die Strasse nicht zu nass, und es war ein Genuss, hinunterzubrausen. Ich habe dann Meiringen durchquert, aber auf der anderen Talseite bin ich nur kurz hinaufgefahren und bald bei einem keinen un billigen Hotel anzuhalten. Es war in der Nähe vom Wasserfall von Reichenbach. Der Standort ist mindestens unter den Lesern von Conan Doyle: dort ist Sherlock Holmes gestorben, als er in einem Streit gegen seinen Feind Moriatry überstürzt wurde.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Oberer Mönchhof0450 
Kilchberg151060
Adliswil3450-
Albis9790340
Hausen13610-
Blickensdorf19440-
Cham24420-
Rotkreuz2943010
Udligenswil38670240
Luzern50430-
Kastanienbaum5745020
Stansstad66430-
Alpnach7446030
Kägiswil7749030
Sachseln85470-
Giswil9048010
Kaiserstuhl93700220
Lungern9775050
Brünig1021010260
Meiringen111590-
Schwendi113800210
Total113 1480


2. Tag: 9. Juli 1998

Profil2

Für den zweiten Tag war das Wetter besser, trotzdem hatte ich keine Gelegenheit zum Einlaufen: von den ersten Meter weg war es ganz schön steil. Falls Sie, wie ich, je den Wunsch haben, zur Grossen Scheidegg hinauf, dann hier ein paar Warnhinweise. Erstens: es ist steil, zum Teil um die 20%, und viel mehr als 10 km/h liegen nicht drin. Zweitens: es gibt ungeteerte Abschnitte, aber der Kies ist fein und auch mit Rennrad befahrbar. Drittens: die Schönheit der Landschaft ist atemberaubend: Wildbach, Wälder, Weiden, hohe Berge und ein Gletscher. Am besten ist es, dass die Strasse für private Motorfahrzeuge verboten ist. Als ich langsam zum Pass ankam wurde der Wind bitter kalt, aber es wurde dann in der Abfahrt nach Grindelwald wieder besser. Ich bin durch die berühmte Ortschaft und weiter nach Interlaken gefahren.
Einmal habe ich die schlechte Idee gehabt, einen Wegweiser für Fahrräder zu folgen. Zum hunderten mal musste ich mir versprechen, das nicht mehr zu tun: etwas weiter hat es mir gerade auf einem Kiesweg geführt. Ich hatte glücklicherweise keine Platte, aber es hat mir den Spass der Abfahrt gründlich verdorben. Meine Erfahrung mit Velo-Wegweisern ist vernichtend. Meisten führen sie zu einer der folgenden Sachlagen:

Um gerecht zu sein, muss man schon hinfügen, dass die 9 Veloland Strecken durch die Schweiz eher besser markiert sind (rote Zeichen mit weisser Nummer auf hellblauem Hintergrund). Dem Thunersee entlang hatte ich dann keine Auswahl mehr. Die Landschaft war hübsch, aber die Strasse uninteressant. Nach Spiez bin ich Richtung Simmental gefahren. Ich habe konsequent alle Rad-Wegweiser ignoriert und bin auf der normalen Strasse geblieben. Zuviel Verkehr, aber mindestens eine geteerte Strasse. Ich machte noch in Boltigen Halt, um etwas Suppe und Brot zu essen. Es daurt fast eine halbe Stunde, bis das Bestellte ankam. Wer hat was über langsame Berner erzählt?
Mein kleines Gepäck konnte ich in Zweissimmen beim Hotel deponieren. Dann bin ich noch bis zum Bürgerort meiner Famillie gefahren: Lenk im Simmental. Und sogar etwas weiter hinaufgefahren, bis es keine geteerte Strasse mehr gab. Es war weit genug, um wieder einen beeindruckenden Wasserfall zu sehen: der Iffigfall. Dann bis ich zurück zum Hotel gefahren, wo ich auf meine liebe Catrina un ihren lieben Vater gewartet habe.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Schwendi0800 
Rosenlaui91450650
Grosse Scheidegg151960510
Grindelwald251030-
Zweilütschinen37660-
Interlaken45560-
Leissigen5358020
Faulensee60560-
Spiezwiler64660100
Wimmis76630-
Weissenburg80760130
Reidenbach8985090
Zweisimmen98950100
Lenk1111060110
Pöschenried1161290230
Lenk1211060-
Zweisimmen134950-
Total134 1940


3. Tag: 11. Juli 1998

Profil3

Freitag war ein freier Tag gewesen, da wir hatten die Viertelfinale vom Tennis in Gstaad angeschaut. Am Samstag ging meine Tour weiter. Das Wetter war wieder bedeckt und eher kühl. Wie schon drei Jahre früher für meine Tour 95 bin ich über den kleinen Pass von Saanenmöser gefahren. Dann bin ich aber nach Westen zum Pays d'Enhaut gefahren. Ein starker Gegenwind hat mich dort empfangen. Ab Château d'Oex, als es wieder bergauf ging, war die Strasse nass und ich fürchtete, es würde nochmals regnen. Zum Glück blieb es dabei. Bei La Lécherette habe ich rechts abgebogen statt zum Col des Mosses weiterzufahren. Dabei kam ich in eine militärische Zone, die nur am Samstag und am Sonntag zugänglich ist. Die ganze Gegend ist entsprechend wild, und ich habe kaum jemanden gesehen. Nicht einmal Soldate. Nur einen jungen Esel mit seiner Mutter.
Nach der Passhöhe von les Agites gibt es ein 300 m langer Tunnel. Er wird nur durch einige Löcher in der Felswand beleuchtet. Weil er ganz schmal ist verläuft der Verkehr mal hinauf, mal hinab. Im schlechtesten Fall muss man 3/4 Stunde warten. Ich lasse die Leser raten, ob ich auf meinem Fahrrad das Rotlicht beachtet habe... Nach dem Tunnel war die Strasse steil (aber mindestens trocken) und die Kurven ganz eng. Ich war wirklich froh, gute Bremsen zu haben.
Es war etwa zwölf Uhr, als ich in Aigle ankam. Von den Rebbergen von Aigle bin ich über das Rhonetal zum industriellen Städtchen von Monthey gefahren, dann habe ich den Aufstieg ins Val d'Illiez in Angriff genommen, eine Region die ich seit Skiferien schon kannte. Es war inzwischen richtig warm, und zum ersten mal bei dieser Tour schwitzte ich. Ich bin zum Pas de Morgins gefahren, und über diesen Pass in die Haute-Savoie. Trotz Gegenwind konnte ich schnell das Val d'Abondance hinunterfahren. Es war aber noch ein Pass zu überwinden: der Corbier. Die Landschaft war ganz schön, und meine Beine waren noch nicht müde. Am Schluss habe ich Lullin als Etappenort ausgewählt, am Fuss von einem weiteren Pass... für den nächsten Tag.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Zweisimmen0950 
Saanenmöser71280330
Saanen131010-
Rougemont18970-
Les Granges23101040
Château-d'Oex26900-
La Lécherette371380480
Les Agites551560180
Corbeyrier62920-
Aigle70390-
St-Triphon7442030
Monthey80400-
Troistorrents86760360
Pas de Morgins961370610
Châtel991190-
Bonnevaux115840-
Le Corbier1211240400
Le Jotty131660-
La Vernaz134810150
Le Brevon137670-
Lullin143850180
Total143 2760


4. Tag: 12. Juli 1998

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Lullin ist nicht sehr weit vom Genfersee. Es ist eine Gegend, wo die Alpen nicht so hoch sind, wie weiter gegen Süden, aber charmant. Und es gibt soviele Strassen über kleine Pässe mit wenig Verkehr, dass es für Radfahrer traumhaft ist. Es war nocht nicht einmal 11 Uhr, dass ich schon über fünf Pässe gefahren war: col du Feu, col de Cou, col des Arces, col de Terramont and col de Saxel. Keiner war so hoch, aber alle schön, speziell bei dem herrschenden guten, aber nicht zu warmen Wetter. Dann bin ich nach Yvoire hinunter gefahren. Es war Sonntag und dieses sehr hübsches altes Städtschen war voll Touristen. Ich habe ein Billet für die Schiffahrt über den See, und habe auf einem Bank unter einem Baum gewartet, und mit einem anderen Radfahrer geplaudert.
Als der Schiff in Nyon ankam, setzte ich mich wieder aufs Fahrrad, Richtung Jura. Zuerst fuhr ich durch eine Landschaft von Äckern, Rebbergen und Obstanlagen. Dann waren es weitere Äcker und Wiesen, schliesslich Weiden und Wälder. Leider warfen diese Wälder nur wenig Schatten und ich hatte eher zu warm. Als ich zurückblickte konnte ich noch den ganzen zurückgelegten Weg sehen, von den Alpen in Savoyen zum See und herauf zum Jura. Ich kam so auf dem höchsten Pass des Tages, der Marchairuz. Die Abfahrt zur Vallée de Joux war schön, auch wenn gewisse Kurven eine unregelmässige, etwas überraschende Form hatten. Ich nahm die linke Seite des Sees (lac de Joux) und erreichte Le Lieu zur vorgesehenen Zeit.
Ich hatte mich zu Besuch bei Freunden angemeldet, die dort wohnen: Sylvie, Michael 'Murk' und deren Sohn Matthias, 15 Monate alt. Wir hatten noch Zeit, in den See schwimmen zu gehen. Das Wasser war noch kalt, wegen der Höhe über Meer und wegen dem schlechten Wetter der letzten Woche. Wir besuchten auch die Eltern und die Schwester von Sylvie. Sie waren gerade mit der Heuernte fertig, und wir feierten dies um eine Flasche Wein. Es war also nicht mehr so früh, als wir zurückkehrten. Nach dem Abendessen schauten wir noch die zweite Halbzeit von der Finale der Fussball-Weltmeisterschaft.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Lullin0850 
Col du Feu31120270
Maugny10630-
Col de Cou191110480
Le Vernay221000-
Arces241160160
Les Courbes27900-
Terramont311090190
Boëge41740-
Saxel46940200
Loyer57540-
Les Crapons5960060
Sciez67380-
Excenevex6941030
Yvoire73370-
>>> Nyon73370-
Le Vaud89820450
Marchissy91780-
St-George95940160
Marchairuz1031450510
Le Sentier1141010-
Le Lieu120107060
Total120 2570


5. Tag: 13. Juli 1998

Profil5

Ich erwachte früh und frühstückte mit Murk und Matthias zusammen. Sylvie war noch früher aufgestanden und war schon weg für eine geschäftliche Reise. Die Luft war noch kühl, als ich mich verabschiedete, und gegen Le Pont losfuhr. Von dort stieg ich zu den Pässen von Pétra Félix und vom Mollendruz. Es war überhaupt nicht steil, und von dieser Seite auch nicht lang. Dann hatte ich eine Abfahrt bis Romainmôtier, wo ich kurz den alten Kloster (11. Jahrhundert, romanischer Stil) kurz bewunderte. Es folgte gleich wieder eine Steigung, richtung Vallorbe. Sicher war es so ein Umweg, aber ich wollte einfach mal über den Mollendruz. Ich musste aber eine ganz kleine Strasse finden, was mir nicht auf Anhieb sondern erst dank der Hilfe eines anderen Radfahrers gelang. Weiter, besonders dann in Frankreich, fuhr ich auf grösseren Strassen mit mehr Verkehr. Es ging erst zur Ortschaft von Jougne und zum Pass von Jougne, dann hinunter nach Pontarlier. Noch vor dieser Stadt habe ich aber nach links abgebogen, hinauf nach Les Fourgs. Immer wieder konnte ich französische Flaggen sehen, die den Weltmeister-Titel von Frankreich in Fussball zelebrierten. Auch wenn es keine Flagge mehr gab wurden Lösungen gefunden, um die Freude zu zeigen: an einem Balkon hingen drei Leibchen, ein blaues, ein weisses und ein rotes.
Ich war aber bald wieder in der Schweiz und kam zum col des Étroits. Zu diesem Pass führen nicht zwei sondern drei Wege. Für die Abfahrt bin ich nicht nach Sainte-Croix sondern nach Buttes gefahren. Nicht wie bei den bisherigen Pässen des Tages war dies eine richtige, schnelle Abfahrt. Als ich im Val de Travers war, hatte ich einen guten Rückenwind, der mir eine Geschwindigkeit um die 40 km/h erlaubte. In Noiraigue wird das Tal so eng, dass die Strasse seitlich hinauffährt zu einem Tunnel. Ich zog es vor, den kleinen kurvenreichen Weg auf der anderen Seite zu nehmen. Als ich dann in unten in Boudry ankam, probierte ich immer oberhalb der Hauptstrasse zu bleiben, die parallel zu Neuenburgersee führt. Dies war nicht so vorteilhaft, weil ich dann immer wieder hinauf- und wieder hinunterfahren musste. Dann habe ich aber wieder wohlbekannte Strassen durch Neuchâtel gefunden, weiter gegen St-Blaise und schliesslich zu meinen Eltern in Les Prés sur Lignières. Es war noch nicht ganz zwei, aber ich war froh, so früh zu sein: kurz danach regnete es.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Le Lieu01030 
Le Pont51010-
Le Mollendruz101180170
Romainmôtier21660-
Le Day34870210
Vallorbe37750-
Jougne461030280
Les Hôpitaux-Neufs47990-
Les Hôpitaux-Vieux48103040
La Gauffre58870-
Les Fourgs641140270
L'Auberson681060-
Les Étroits72115090
Buttes80770-
Noiraigue98720-
Noiraigue9979070
Boudry109450-
Cormondrèche113570120
Peseux115510-
Neuchâtel11755040
St-Blaise124450-
Les Prés s/ Lignières134950500
Total134 1790


6. Tag: 14. Juli 1998

Profil6

Der letzte Tag war für den Rückkehr nach Kilchberg. Ich hatte grundsätzlich zwei Optionen, entweder der direkte Weg über grössere Strassen, oder Umwege über interessantere Regionen. Die erste Wahl bedeutete 150 km, und die zweite mindestens 30 mehr, so dass ich mich doch dafür entschied, den kürzeren langweiligen Weg über Biel, Solothurn, Olten, Aarau, Baden und Zürich zu fahren. Mindestens war der Wind eher auch in diese Richtung, so dass ich mit einem Durchschnitt von 32 km/h fahren konnte. Ich war froh, als ich wieder zu Hause war.

 Distanz (km)Höhe (m)Steigung (m)
Les Prés s/ Lignières0920 
Twann/Douane15430-
Biel/Bienne23430-
Selzach4145020
Solothurn48430-
Attiswil5647040
Oensingen65450-
Oberbuchsiten6946010
Olten82400-
Gösgen8741010
Aarau96380-
Brugg114340-
Windisch11636020
Turgi120340-
Baden12639050
Zürich14441020
Kilchberg15245040
Total152 1790


PS / 25.7.1998