| Strecke | Distanz (km) | Steigung (m) |
|---|---|---|
| Ringlikon - Lingenau | 165 | 1740 |
| Lingenau - Mieming | 159 | 2390 |
| Mieming - Walchsee | 172 | 1490 |
| Walchsee - Scheffau | 168 | 2020 |
| Scheffau - Laussa | 166 | 2120 |
| Laussa - Rechengraben | 165 | 1670 |
| Rechengraben - Wien | 140 | 790 |
| Total | 1135 | 12220 |



Zum ersten Mal habe ich mir für diese Tour eine Stadt als Ziel gesetzt: Wien.
Für den ersten Tag genügten die Berge des Vorarlbergs als Etappenziel. Mindestens
vier schöne Tage gaben mir die Vorhersagen, so konnte ich mit sicherem Wetter
losfahren. Zuerst folgte ich wohl bekannte Strassen zum Zürichsee und entlang ihm.
Das war eine leichte Sache, und es blieb auch leicht, als nach dem Seedamm Richtung
Rapperswil die Strasse langsam zum Rickenpass
hinauffuhr. Ein Stück weit war ich mit zwei anderen Radfahrern unterwegs, was wegen
dem Gegenwind (die Bise) hilfreich war. Vom Pass her nahm ich die Radstrecke
hinunter nach Wattwil, auf einer schönen kleinen, unten zum Teil steilen Strasse.
Ab Wattwil fuhr ich dem Tal der Thur entlang bis Lichtensteig. Von dort ging's
steil, aber nicht zu lang hinauf zum Wasserfluh
Pass. An diesem Morgen war die Temperatur ideal zum Fahren. Nach Wasserfluh
ging die Strasse mal bergab, mal bergauf, aber ziemlich sanft. So kam ich in den
Kanton Appenzell, wohl bekannt für sein Käse und für die typische Architektur
seiner Bauernhäusern, über den Weiden und vielen Hügeln und Talschaften
gestreut.
Es gab ein Radvolksrennen, und für Kilometer habe ich in der Gegenrichtung immer
wieder Fahrer gesehen (sie hatten mehr Glück mit dem Wind als ich, immer gegen die
Bise fahrend). Ab Trogen fuhr ich nochmals hinunter und hinauf, bis ich am ersten
neuen Pass dieser Tour war, am Ruppenpass.
Bergauf war es ganz sanft, aber bergab war es länger und steiler. Als ich unten im
Rheintal ankam, war es warm. Ich fuhr über den Fluss (und über die Grenze) Richtung
Dornbirn, in Österreich. Ich war aber froh, sobald ich wieder aus dieser Stadt und
ihrem Verkehr rauskam und eine ruhigere Strasse fand. Ich stieg also in die Berge
des Bregenzerwaldes, wo Wolken sich ansammelten, aber ohne Regen zu produzieren.
Ab Lingenau begann ich nach einem Hotelzimmer Anschau zu halten. Dies war
problemlos, da die Hauptsaison noch nicht richtig angefangen hatte.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Ringlikon | 0 | 630 | |
| Zürich | 10 | 410 | - |
| Kilchberg | 12 | 470 | 60 |
| Rüschlikon | 14 | 430 | - |
| Thalwil | 17 | 480 | 50 |
| Rapperswil | 43 | 410 | - |
| Ricken | 63 | 790 | 380 |
| Lichtensteig | 72 | 610 | - |
| Wasserfluh | 77 | 840 | 230 |
| Furth | 79 | 670 | - |
| Brisig | 90 | 900 | 230 |
| Hundwil | 96 | 770 | - |
| Stein | 99 | 820 | 50 |
| Rämsen | 102 | 690 | - |
| Speicher | 111 | 930 | 240 |
| Trogen | 113 | 880 | - |
| Ruppen | 117 | 1000 | 120 |
| Altstätten | 126 | 460 | - |
| Kriessern | 131 | 420 | - |
| Alberschwende | 158 | 720 | 300 |
| Müselbach | 162 | 620 | - |
| Lingenau | 165 | 700 | 80 |
| Total | 165 | 1740 |

Sonntag und ein ganz sonniger zweiter Tag. Und an einem sonnigen Sonntag gibt es
viele Motorräder auf Passstrassen. Ich hatte eigentlich noch nie so viele
Motorräder an einem einzigen Tag gesehen! Nur der erste Aufstieg (zum
Riedbergpass) war noch ruhig. Ruhig, aber nicht
leicht: nachdem ich in deutsche Grenze überquert hatte, zwischen Balderschwang und
den Pass, nahm die Steigung plötzlich zu. Steile und noch steilere Abschnitte
folgten aufeinander. Die Abfahrt nach Obermeiselstein war ähnlich. Dann fuhr ich
Nord nach Sonthofen, und wieder Ost nach Hindelang. Dort begann die nächste
ernsthafte Steigung, über den Oberjochpass, der
mir wieder in Österreich brach. Darauf folgte eine lange und sanfte Abfahrt, mit
einigen unwesentlichen Steigungen dazwischen. So kam ich zum Gaichtpass...
abfahrend. Warum es Pass heissen soll, weiss ich nicht. Sicher nur, dass nachher die
Strasse hinunter nach Weissenbach viel steiler war.
Ich war dann im Lechtal und nahm die südwestliche Richtung. Südwest? Ja, ich
konnte endlich vom Rückenwind profitieren und konnte schnell nach Stanzach fahren.
Nachher kam aber die nächste Schwierigkeit: der sehr unregelmässige und zum Teil
recht steile Aufstieg nach Namlos, Kelmen und
Berwang. Ich dachte, dies wäre ein Pass, aber
eigentlich waren es zwei oder drei aufeinander. Mindestens waren die Abfahrten
dazwischen schön, wie allgemein die Landschaft. Nachdem ich wieder im Tal ankam,
bei Bichlbach, musste ich auf eine Hauptstrasse, ausser als diese in ein Tunnel
verschwand, um die Stadt Lermoos auszuweichen. Dieser Tunnel (besser so) ist
verboten für Fahrräder. Die Strasse rund herum und die im Tunnel kamen wieder
im Aufstieg zum Fernpass zusammen. Dann gab's
viel Verkehr, inklusiv Reisebusse und Wohnanhänger, aber mindestens war die Strasse
breit genug, dass sie mich überholen konnten, ohne das ich jeweils für mein Leben
zittern musste. Kurz vor dem Pass konnte ich die spektakuläre Aussicht über den
Blindsee geniessen, mit der Zugspitze im Hintergrund.
Nach der Abfahrt nach Nassereith fuhr ich in dieses Dorf hinein und nahm eine
kleine Strasse nach Aschland, die ich aber bald wieder verliess, um nach
Holzleiten hinaufzufahren. Die Strasse (eine
Schlitten-Piste im Winter) war ziemlich kaputt, aber weg vom Verkehr. Nach dem
Pass begann die Suche nach einem Zimmer, die schliesslich in Mieming erfolgreich
wurde, auf einem Hochplateau über den Inntal.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Lingenau | 0 | 700 | |
| Riedbergpass | 23 | 1420 | 720 |
| Sonthofen | 39 | 740 | - |
| Oberjoch | 56 | 1180 | 440 |
| Schattwald | 59 | 1080 | - |
| Nesselwängle | 71 | 1150 | 70 |
| Weissenbach | 79 | 880 | - |
| Stanzach | 89 | 940 | 60 |
| Kelmen | 101 | 1370 | 430 |
| Rotlechsäge | 104 | 1220 | - |
| Brand | 106 | 1320 | 100 |
| Rinnen | 108 | 1270 | - |
| Berwang | 111 | 1340 | 70 |
| Bichlbach | 116 | 1080 | - |
| Lermoos | 125 | 1000 | - |
| Fernpass | 133 | 1220 | 220 |
| Nassereith | 144 | 840 | - |
| Holzleiten | 149 | 1120 | 280 |
| Obermieming | 159 | 910 | - |
| Total | 159 | 2390 |

Nach einem guten Schlaf und einem guten Frühstück setzte ich mich wieder auf
dem Weg, zuerst hinunter nach Telfs, dann hinauf zur
Buchener Höhe und nach Leutasch. So ein
Unterschied mit dem Tag vorher: viel weniger Verkehr. So kam ich zu einem schönen
breiten Tal, der sanft zur deutschen Grenze hinuntergeht. Nur das letzte Stück vor
Mittenwald war sehr steil. Von dort konnte ich einen Radweg nehmen und so den
grösseren Verkehr vermeiden. Ich fuhr durch Wallfau hindurch und gerade nachher
rechts, auf eine schöne kleine Strasse dem Isar entlang. Es war eine Mautstrasse,
so dass ich zwischen Wallgau und Vorderriss nur wenig Autos und einige andere
Radfahrer sah. Nachher, bis zum Sylvensteinsee gabs nur ein wenig mehr
motorisierter Verkehr.
Nach dem See gab's einen leichten Aufstieg zur österreichschen Grenze, dann ging's
links wieder nach Deutschland und, etwas steiler, zum
Achenpass. Ich machte eine Halt in Kreuth, um
etwas zu trinken und zu essen, und fuhr dann noch einige Kilometer Nord nach
Rottach. Ich musste einige Leute fragen bis jemand mir den Weg hinauf nach Valepp
sagen konnte... aber gar niemand konnte mir sagen, wie die Strasse von dort gegen
Osten sein sollte. Sogar der Angestellte bei der Mautstation hatte keine Ahnung! Na
ja, der Aufstieg nach Valepp war unregelmässig, zum Teil recht steil, aber der
Belag war gut. Nachher war's anders: ein Kiesweg. Ich hatte keine Lust, wieder
hinunter zu fahren und einen weiten Umweg zu machen, deshalb entschied ich mich die
ca. 12 Kilometer auf Kies zu probieren. Der Belag selber war gar nicht schlecht,
aber manchmal war's steil und wirklich an der Grenze für ein Rennrad. Zweimal
musste ich mich ganz auf meinem Orientierungssinn verlassen, weil es mehrere
Waldwege gab... aber nicht so auf meiner Karte. So kam ich auf einem kleinen Pass
namens Elendsattel. Ausser wegen dem Elend vom
Kies war es ganz schön dort oben. Es wäre einfach eher was fürs Mountain Bike. Nach
der Abfahrt kam ich auf die Hauptstrasse die über den
Ursprungpass südwärts nochmal Richtung
Österreich fährt. Dann kam eine lange Abfahrt nach Kufstein, nur mit einer kleinen
Steigung unterwegs. In Kufstein musste ich etwas suchen und mich nach dem Weg
erkundigen, bis ich Richtung Norden auf der Strasse nach Ebbs war. Dort bog ich
nach rechts ab und fuhr hinauf nach Walchsee.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Obermieming | 0 | 910 | |
| Telfs | 9 | 670 | - |
| Buchen | 19 | 1290 | 620 |
| Wallgau | 49 | 860 | - |
| Fall | 71 | 780 | - |
| Achenpass | 85 | 940 | 160 |
| Rottach | 104 | 730 | - |
| Valepp | 120 | 890 | 160 |
| Elendsattel | 129 | 1140 | 250 |
| Zipflwirt | 137 | 820 | - |
| Ursprungpass | 140 | 840 | 20 |
| Vorderthiersee | 151 | 600 | - |
| Thierberg | 154 | 670 | 70 |
| Kufstein | 158 | 500 | - |
| Ebbs | 165 | 470 | - |
| Walchsee-Durchholzen | 172 | 680 | 210 |
| Total | 172 | 1490 |

Gleiches Wetter, gleiches Programm! Zuerst nach Osten, dann nach Deutschland,
auf die deutsche Alpenstrasse, nach Süden über einen steilen Pass, wieder nach
Österreich und am Schluss einen Bogen Süd-Ost-Nord. Der 4. Tag hatte vieles mit dem
3. gemeinsam. Der wichtigste Unterschied ist, dass ich nicht auf Kieswege fahren
musste. Die zwei ersten Stunden waren eine leichte Fahrt über Reit im Winkel und
nach Seegatterl und
Schmelz. Auf einer schnellen Abfahrt nach Schneizlreuth ging's steil hinauf zum
Schwarzbachwartsattel, nicht der längste
Aufstieg aber vielleicht der längste Passname! Kurz nach dem Pass habe ich eine
kleine Strasse nach rechts genommen, bin hinunter zum Hintersee gefahren und machte
eine kleine Halt dort bei einem Restaurant: ich brauchte eine volle Reserve an
Energie für den nächsten Aufstieg, der steilste, den ich je mit Rennrad in Angriff
genommen hatte. Auf meiner Strassenkarte war der
Hirschbichl mit 23% gezeichnet, was
wahrscheinlich für die steilsten (glücklicherweise kurzen) Teile zutrifft.
Mindestens war der ganze Weg geteert, ausser zwei Lawinenrinnen. Der 30% Zeichen in
der Abfahrt war aber eher übertrieben!
Auf einer flachen Strecke nach Saalfelden folgte der Aufstieg zum
Filzensattel. Bis Maria Alm war die Steigung
sanft, nachher aber recht stark. Vom Pass her gab's eine schnelle aber kurze
Abfahrt nach Dienten, wo der nächste Aufstieg begann: zum
Dientnersattel. Die Abfahrt nach Bischofshofen
war viel länger. Von dort Richtung Norden fuhr ich gegen ein tobender Gegenwind.
Die Strasse ging leicht abwärts, aber ich musste auf die Pedalen treten, als ob es
flach oder sogar steigend wäre. Es hat mich deshalb recht überrascht, als ich mehr
als 100 km/h auf meinem Geschwindigkeitszähler sah! Ach, der Sensor ist auf
elektromagnetischen Feldern empfindlich, in diesem Fall von der Bahnlinie parallel
zur Strasse. In Golling konnte ich endlich die Haupstrasse wieder verlassen. Ich
spürte die Hitze, und dass ich langsam genug hatte für den Tag. Ich schaute dann
nach einem grünen 'Zimmer frei' Zeichen. Und fand eins in Scheffau, ein kleines
Dorf etwas abseits von der Strasse.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Walchsee-Durchholzen | 0 | 680 | |
| Kössen | 10 | 580 | - |
| Reit im Winkel | 16 | 680 | 100 |
| Groissenbach | 18 | 660 | - |
| Seegatterl | 22 | 760 | 100 |
| Waich | 37 | 660 | - |
| Schmelz | 44 | 770 | 110 |
| Schneitzlreuth | 55 | 500 | - |
| Schwarzbachwartsattel | 63 | 870 | 370 |
| Hintersee | 70 | 780 | - |
| Hirschbichl | 77 | 1180 | 400 |
| Weissbach | 85 | 650 | - |
| Saalfelden | 98 | 750 | 100 |
| Maria Alm | 104 | 900 | 150 |
| Filzensattel | 115 | 1290 | 390 |
| Dienten | 118 | 1080 | - |
| Dientnersattel | 122 | 1360 | 280 |
| Bischofshofen | 139 | 560 | - |
| Golling | 163 | 480 | - |
| Unterscheffau | 168 | 500 | 20 |
| Total | 168 | 2020 |

Diese Etappe sollte sehr kontrastreich sein. Die Fahrt zum ersten Pass, zum
Lienbachsattel, war ganz schön und führte zur
weitesten Alp Österreichs (die Postalm). Bergauf und bergab, es hat mir beides
gefallen. Dann kamen aber etwa 80 km Hauptstrassen mit viel Verkehr, inklusiv der
Pötschenpass, der trotz seiner Steigung von
vielen Lastwagen befahren wird. Teilweise hatten die Strassen Richtung Liezen einen
Radstreifen oder etwas mehr oder weniger ähnliches. Anderorts gabs sogar separate
Wege, aber mit ungenügenden Wegweisern... oder gar keine. Ich werde sicher keine
so schöne Erinnerungen von dieser Strecke halten, aber es gab ja kaum eine
Ausweichmöglichkeit.
Der Pyhrnpass war schon einges besser: weniger
verkehr, schöne Landschaft und eine gute Strasse für eine anspruchslose aber doch
schnelle Abfahrt. Bald in Windischsgarten bin ich nach rechts zum
Hengstpass hinaufgefahren. Und der Tag endete
ähnlich wie er angefangen hatte: mit einer schönen Passfahrt weit weg von
Lastwagen und von zuviel Personenwagen. Das Wetter war jetzt bedeckt und, im
Vergleich zu den vorigen Tagen, wurde es am Nachmittag nicht allzu warm. Der
Aufstieg war regelmässig und deshalb nicht zu schwer. Die folgende Abfahrt war
sehr lang und fuhr im unteren Teil in der Schlucht der Laussa. Ich machte Halt beim
ersten Gasthaus, das er erblickte. Dort duschte ich und wusch meine Kleider. Erst
danach erfuhr ich, dass es nur was kaltes zum Abendessen gab (Wurstsalat mit Brot).
Schade für mein grösseres Radfahrer-Appetit, aber ich wollte doch nicht gleich
weiterfahren. Besonders als die 'Dusche' draussen auch los ging!
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Unterscheffau | 0 | 500 | |
| Pichl | 11 | 520 | 20 |
| Lienbachsattel | 22 | 1300 | 780 |
| Aigen | 41 | 540 | - |
| Bad Ischl | 49 | 480 | - |
| Bad Goisern | 58 | 500 | 20 |
| Pötschenpass | 67 | 990 | 490 |
| Bad Aussee | 75 | 660 | - |
| Kainisch | 86 | 830 | 170 |
| Stainach | 107 | 660 | - |
| Liezen | 120 | 660 | - |
| Pyhrnpass | 128 | 950 | 290 |
| Spital | 137 | 640 | - |
| Hengstpass | 153 | 990 | 350 |
| Unterlaussa | 166 | 560 | - |
| Total | 166 | 2120 |

Am Anfang des sechsten Tages war der Rest der Abfahrt von Hengstpass nach
Altenmarkt, wo sie in die (verkehrsarme) Hauptstrasse nach Mariazell mündete. Diese
Strasse folgte einen Fluss, aber sie folgte nicht das gleiche Gefälle sondern fuhr
immer wieder hinauf und hinab. Offensichtlich fahren österreichische Ingenieure nie
Fahrrad! Nach diesem unbeabsichtigten Intervall-Training nahm ich eine kleine
Strasse nach rechts. Sie fuhr in ein kleines Tal... und in die Wildnis. Hier auch
habe ich mich bei Passanten nach der Qualität des Strassenbelags erkundigt, da die
Strassenkarten in dieser Hinsicht nie wirklich sicher sind. Es wurde mir gesagt,
dass der ganze Weg geteert war. Also, manchmal wäre keine Auskunft besser als eine
falsche! Nach der kleinen Ortschaft Klaus gab's... ein Kiesweg. Glücklicherweise
war der Kies fein und konnte gut mit Rennrad befahren werden. Einige Kilometer
weiter hatte ich ein weiteres Problem: die Strasse war geschlossen wegen
Holzschlag. Ich beschloss, trotzdem zu probieren und fuhr durch, ohne irgendjemand
zu sehen. So erreichte ich den Bärenrisssattel
ohne den Bär zu sehen. Die Abfahrt nach Holzhüttenboden war auch auf Kies und
menschenleer.
Ich erreichte wieder die Zivilisation als ich auf der Strass zum
Zellerrain Pass ankam. Nach einer kurzen Halt
dort zum Trinken fuhr ich weiter nach Mariazell (eine schnelle aber keine schöne
Abfahrt). Nach diesem Pilgerort wollte ich eine Schlaufe über zwei weitere Pässe
fahren: Niederalp und Lahnsattel. Als ich in Wegscheid, am Fuss vom ersten ankam,
gab's aber ein Zeichen, dass der zweite wegen Rutschungen geschlossen war. Ich
dachte nach einem Ausweg, entschloss mich aber bis Mürzsteg zu fahren, zwischen
beiden Pässen. Dort könnte ich Leute fragen. Der Aufstieg zur
Niederalp war wegen der Hitze ziemlich schwer,
aber dann konnte ich die Abfahrt geniessen, sogar als sie nicht mehr steil war: ich
erhielt dann Hilfe vom Rückenwind. In Mürzsteg erfuhr ich, dass die Rutschung sehr
klein war. Und diesmal erwies sich die Information als richtig. Die Strasse war im
Prinzip geschlossen, aber sogar der Polizist vor Ort sagte nichts, als ich zwischen
Steinen auf der Strasse fuhr. Der grosse Vorteil: es gab sonst kein Verkehr über
den Lahnsattel. Dann fuhr ich hinunter, fast
wieder bis nach Mariazell, bog aber rechts zum Hubertussee. Dort auf dem Weg hielt
ich für die Nacht in einem kleinen Gästezimmer an.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Unterlaussa | 0 | 560 | |
| Engl | 7 | 430 | - |
| Altenmarkt | 8 | 460 | 30 |
| Abraham | 41 | 510 | 50 |
| Bärenrisssattel | 68 | 1070 | 560 |
| Holzhüttenboden | 75 | 770 | - |
| Zellerrain | 82 | 1130 | 360 |
| Mariazell | 91 | 870 | - |
| Wegscheid | 104 | 840 | - |
| Niederalp | 113 | 1230 | 390 |
| Mürzsteg | 122 | 780 | - |
| Lahnsattel | 138 | 1010 | 230 |
| Rechengraben | 151 | 790 | - |
| Hubertussee | 158 | 840 | 50 |
| Rechengraben | 165 | 790 | - |
| Total | 165 | 1670 |

Was mir beim Erwachen zuerst auffiel was das Licht: ich war mittlerweile um 7°
ostwärts gefahren, ohne in eine andere Zeitzone zu wechseln, und der Tag kam also
etwa eine halbe Stunde früher. Als zweites: er war recht kühl im engen Walsterntal,
da die kalte Luft dem Fluss entlang kam. Als ich nach dem Frühstück los fuhr, was
erst 12°, aber wieder bei blauen Himmel. Ich stieg zuerst einem hübschen und
ruhigen Weg entlang zum Krumbachsattel. Auch
über Gscheid und hinunter nach St. Aegyd gab's
nur wenig Verkehr, obwohl die Strasse breiter war. Die Landschaft war immer noch
durch kleine aber eher steile Hügeln geprägt, mit Wäldern und einige Wiesen. Die
beide nächsten Pässe nach Osten waren ähnlich. In der Höhe über Meer waren der
Ochsattel und der
Rohrersattel sogar genau gleich. Ich machte dann
Halt in Pernitz, um etwas zu kaufen, das ich in einem Park essen und trinken konnte.
Dabei konnte ich eine Schulklasse zuschauen, die draussen für eienen Tanzauftritt
übte. Dann fuhr ich zum letzten Pass dieser Tour:
Auf dem Hals. Es ging grösstenteils im Wald,
und der Schatten war gut, da es wurde immer wärmer.
Erst nach einem kleinen Hügel nord-östlich von Pottenstein konnte ich endlich die
Ebene der Donau erblicken. Ich hatte aber immer noch etwa 50 km vor mir, und sie
waren sicher nicht die angenehmsten. Ich kam immer näher von Wien, und der Verkehr
verdichtete sich entsprechend. Ich fuhr endlich in die Stadt hinein, musste aber
irgendwie meine Lage auf einem Stadtplan ausfindig machen. Ich habe dafür die
Terrasse von einem Restaurant ausgewählt, am Schatten von Bäumen. Ich erhielt die
Hilfe von zwei Gästen, die etwas von Wien mit Fahrrad verstanden, und ich konnte
so einen einfachen Weg zum Stadtteil Döbling finden, fast am anderen Ende der
österreichischen Hauptstadt.
Dort traf ich meine Freunde Anne und Dieter und deren Kindern Loïc und Chloé. Die
Mutter von Dieter war auch dort, um Sachen einzupacken: sie waren dran den Umzug
zurück in die Schweiz zu vorbereiten. Es war wirklich die letzte Gelegenheit sie
zu besuchen, solange sie in Wien waren! So konnten wir noch einen netten Abend
zusammen verbringen. Dabei konnte ich von meiner Tour erzählen, mit den vielen
Pässen und Kilometern, viel Sonne, ohne Regen, ohne Platte, ohne Zwischenfall und
ohne Verletzung.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Rechengraben | 0 | 890 | |
| Krumbachsattel | 11 | 950 | 60 |
| Knollenhals | 15 | 940 | - |
| Gscheid | 19 | 970 | 30 |
| Mitterbach | 30 | 550 | - |
| Ochsattel | 36 | 860 | 310 |
| Gstettner | 42 | 760 | - |
| Rohrersattel | 54 | 860 | 100 |
| Gutenstein | 63 | 480 | - |
| Pernitz | 69 | 430 | - |
| Auf dem Hals | 78 | 660 | 230 |
| Pottenstein | 85 | 320 | - |
| Grossau | 91 | 380 | 60 |
| Traiskirchen | 105 | 230 | - |
| Wien | 140 | 210 | - |
| Total | 140 | 790 |
PS / 11.7.2005