Tour 1993, 16 - 21 August
| Strecke | Distanz (km) | Steigung (m) |
|---|---|---|
| Oetwil a.d.L. - Luzern - Engelberg | 101 | 970 |
| Engelberg - Brünig - Grimsel - Brig | 160 | 2350 |
| Brig - Simplon - Centovalli - Lavertezzo | 129 | 2310 |
| Lavertezzo - San Bernardino - Andeer | 117 | 1990 |
| Andeer - Sargans - Oetwil a.d.L. | 180 | 320 |
| Total | 687 | 7940 |
Strecke 1 (16. August 1993): Oetwil a.d.L. - Luzern - Engelberg
Die erste Teilstrecke der 1993er Tour sollte leicht sein. Ich wurde von meinem
Kollege Karl eingeladen, dessen Familie ein Haus in Engelberg hat. Ich nahm die
Einladung gern an, weil ich nie vorher in dieser Gegend war, und sie deshalb
neugierig entdecken würde. Es war Sonntag und sonnig. Zuerst führte mein Weg über
Luzern. Ich erreichte diese Stadt um Mittag und fuhr ohne Halt durch. Es ging dann
mehr oder weniger dem Vierwaldstättersee entlang, wo das Feld vom Grand Prix
Wilhelm Tell mir entgegen kam. Dieses mehrtägiges Rennen, nach dem grossen
Schweizer Held genannt, ist ein wichtiges Teil vom Amateur Kalender.
Nachdem ich den See bei Stansstad verlassen hatte, durchquerte ich Stans und fuhr
ins Tal nach Engelberg. Die Strasse stieg richtig ab Grafenort. Es war eine
schöne Strecke, zum grössten Teil im Wald. Ich wurde von einer Reihe Reisebussen
mit japanischen Touristen überholt. Für Besucher der Region Luzern gehört ja
Engelberg zum Standard-Programm, dann mit dem Aufstieg zum Titlis.
Ich erreichte Engelberg in der Mitte des Nachmittags und traf meinen Kollegen.
Einige Getränke später machten wir noch einen kleinen Rundgang der Ortschaft,
bekannt für ihren Kloster und für die eindrucksvolle Berge rund herum, mit
Meereshöhen von 2500 bis mehr als 3000 m.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Oetwil a.d.L. | 0 | 420 | |
| Dietikon | 4 | 390 | |
| Bergdietikon | 7 | 500 | 110 |
| Widen | 10 | 560 | 60 |
| Bremgarten | 15 | 370 | |
| Oberfeld (Rottenschwil) | 20 | 440 | 70 |
| Aristau | 23 | 400 | |
| Unterrüti | 25 | 410 | 10 |
| Meerenschwand | 27 | 390 | |
| Dietwil | 40 | 430 | 40 |
| Schlossberg (Luzern) | 54 | 450 | 20 |
| Luzern | 55 | 430 | |
| Allmend (Luzern) | 58 | 450 | 20 |
| Stansstad | 66 | 440 | |
| Stans | 70 | 450 | 10 |
| Grafenort | 81 | 560 | 110 |
| Engelberg | 91 | 1000 | 440 |
| Herrenrütiboden | 96 | 1080 | 80 |
| Oberberg (Engelberg) | 101 | 1020 | |
| Total | 101 | 970 |
Strecke 2 (18. August 1993): Engelberg - Brünig - Grimsel - Brig
Zwischen der ersten und der zweiten Etappe gab es einen "Ruhetag".
Mit meinem Kollege Karl sind wir auf den Huetstock gestiegen (zu Fuss, nicht mit
dem Rad). Es war ein ganz schöner Tag und vom Gipfel (2676 m) hatten wir eine
fantastische Sicht. Der Ausflug gab uns Durst, aber nach viel Wasser aus der
lokalen Quelle und eine grosse Portion Teigwaren füllten die Reserven für den
nächsten Tag wieder auf.
Zwei Pässe waren auf dem Programm. Der erste, der
Brünig brachte mich von der
Zentralschweiz ins Berner Oberland. Dafür steigt die Strasse knapp über 1000 m
und ist nicht zu steil.
Der zweite Pass war der Grimsel.
Dieser Übergang ins Wallis war schon mehr eine Herausforderung, mit wesentlich mehr
als 2000 m über Meer. Die Teigwaren des Vorabends wurden aber von der Kombination
Mensch-Fahrrad effizient in potentielle Energie umgewandelt. Anfangs Nachmittag
wir ich auf der Passhöhe.
Nach der steilen Abfahrt nach Oberwald folgte das langgezogene Tal von Goms, dem
oberen Teil der Rhone entlang. Ich hatte etwas (trockener) Gegenwind und die
Fahrt war deshalb nicht ganz gemütlich. Ich erreichte schliesslich Brig, wo ich
ein Hotel für die nacht fand. Zum Abendessen habe ich... eine grosse Portion
Teigwaren bestellt, was sonst? Es ist aber nicht immer einfach fürs Personal zu
verstehen, wieviel Kilojoules ein Radfahrer zum Fahren braucht. Die
"grosse" Portion war eigentlich nur Durchschnitt. Ich musste also ein
Supplement bestellen.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Oberberg (Engelberg) | 0 | 1020 | |
| Engelberg | 2 | 1000 | |
| Grafenort | 11 | 560 | |
| Stans | 23 | 450 | |
| Alpnach | 34 | 460 | 10 |
| Kägiswil | 36 | 490 | 30 |
| Sarnen | 40 | 470 | |
| Giswil | 49 | 480 | 10 |
| Kaiserstuhl | 53 | 690 | 210 |
| Lungern | 57 | 710 | 20 |
| Brünigpass | 63 | 1010 | 300 |
| Meiringen | 71 | 590 | |
| Chräjenburg | 74 | 710 | 120 |
| Innertkirchen | 77 | 620 | |
| Guttannen | 86 | 1060 | 440 |
| Räterichsboden | 97 | 1770 | 710 |
| Grimselpass | 105 | 2170 | 400 |
| Gletsch | 111 | 1760 | |
| Oberwald | 117 | 1370 | |
| Ulrichen | 122 | 1350 | |
| Münster | 127 | 1390 | 40 |
| Matte (Münster) | 128 | 1330 | |
| Gräiche (Reckingen) | 129 | 1350 | 20 |
| Fürgangen | 140 | 1190 | |
| Wirbelti (Fiesch) | 143 | 1020 | |
| Deischbach (Lax) | 145 | 1060 | 40 |
| Brig | 160 | 680 | |
| Total | 160 | 2350 |
Strecke 3 (19. August 1993): Brig - Simplon - Centovalli - Lavertezzo
Ich verbrachte die Nacht in einem Hotel beim Fluss Saltina. Niemand wusste,
dass die Saltina ein Monat später über den Ufer treten würde, viele Tausende
Kubikmeter Geschiebe und damit viel Zerstörung in die Stadt bringen würde...
Die Fahr fing gleich mit einem grossen Pass: der
Simplon. Im ersten Teil konnte
ich die alte Strasse folgen, steiler aber wesentlich ruhiger. Weiter oben
mündet sie in die Hauptstrasse, die weniger steil ist. Der Verkehr war eigentlich
nicht so schlimm. Oben machte ich eine kurze Halt, nur um etwas zu trinken und
um die Berglanschaft zu bewundern. Im ersten (schweizerischen) Teil war die
Abfahrt gut, aber weiter im italiensichen Teil war Unterhalt an der Strasse
fällig (oder im Gange). Speziell in Italien sind Baustellen mit Wäldern von
mehr oder weniger nützlichen Verkehrsschildern markiert. An Fahrädern denken
die Ingenieuren meistens nicht. So, unbeabsichtigt, fuhr ich in ein langer
Tuunel und auf die Autobahn nach Domodossola!
Irgendwann konnte ich doch die Autobahn verlassen, und nach links zum Vigezzo
Tal fahren. Die kleine Strasse fährt zuerst hoch nach
Druogno. Als ich dort ankam,
war es etwa Mittag und es war sehr viel Verkehr in diese touristischen
Ortschaft. Ich zog weiter zum schweizerischen Zoll, von wo an das Tal sich
Centovalli nennt, mit Referenz zu den hundert Seitentälern dieser zerklüfteten
Landschaft.
Nach Intragna und dessen hohen Kirchturm ging es weiter nach Locarno. Ich war
viel früher als gedacht, und ich dachte daran, meinen früheren Chef anzurufen.
Er war mein Doktorvater und besitzt ein Ferienhaus in Lavertezzo. Er war
tatsächlich dort mit seiner Frau, und ich besuchte ihn. Es war wirklich heiss als
ich ins Verzasca Tal kletterte. In Lavertezzo, nach einem Getränk, machten wir
eine schöne kleine Wanderung der Verzasca entlang (und über die berühmte
Steinbrücke über diesen Fluss). Dann gingen wir zu einem Grotto für den
Abendessen, und schon bald war es Zeit, zum dortigen Motel zu fahren und mich
für die Nacht einzuquartieren.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Brig | 0 | 680 | |
| Schallberg | 9 | 1320 | 640 |
| Simplonpass | 23 | 2010 | 690 |
| Simplon Dorf | 31 | 1490 | |
| Gondo | 42 | 860 | |
| Iselle | 47 | 670 | |
| Ponte di Crèvola | 61 | 300 | |
| Pontetto | 62 | 340 | 40 |
| Masera | 64 | 300 | |
| Druogno | 74 | 830 | 530 |
| Camedo Dogana | 90 | 550 | |
| Diga di Palagnedra | 93 | 520 | |
| Gaggetto (Intragna) | 94 | 540 | 20 |
| Intragna | 100 | 360 | |
| Ponte Brolla | 105 | 250 | |
| Locarno | 111 | 200 | |
| Minusio | 113 | 240 | 40 |
| Renero | 115 | 200 | |
| Gordola | 117 | 230 | 30 |
| Selvatica | 120 | 470 | 240 |
| S. Bartolomeo | 125 | 490 | 20 |
| Lavertezzo | 129 | 550 | 60 |
| Total | 129 | 2310 |
Strecke 4 (20. August 1993): Lavertezzo - San Bernardino - Andeer
Am vierten Tag auf der Strasse musste ich zuerst wieder hinunter ins Tal.
Nach dieser ersten Abfahrt ging es gegen Osten, alles auf flachen Strassen (oder
fast). Nach Bellinzona bog ich ins Misox ab. Dieses Tal, obwohl
italenisch-spraching und offen zum Tessin, gehört zum Kanton Graubünden. Es gibt
dem ganzen Tal durch eine Autobahn, und deshalb ist nicht allzuviel Verkehr auf
der normalen Strasse. Es war heiss und meine Flaschen waren schon bald leer,
aber ich sah keinen Brunnen. Schliesslich bin ich zu einem kleinen Bauernhaus
gefahren, um Wasser zu betteln. Ab Soaza wurde die Steigung ernsthaft. Die
Landschaft änderte sich auch, vom trockenen Tal von unten allmälich bis zu
grünen Alpweiden. Etwas vor der Ortschaft von San Bernardino gab es einen
kleinen Pass, die Forcola, und
dann ein schönes ziemlich falches Stück, um sich ein wenig zu erholen. Dort, wo
die Autobahn ins Tunnel einfährt, begann die Pass-Strasse wieder zu steigen. Es
waren nur noch wenige Motorfahrzeuge in diesen Haarnadel-Kurven. Die Landschaft
war wunderbar und ich freute mich so darüber, dass ich mühelos zum
San Bernardino Pass hinauffahren
konnte.
Die Abfahrt war auch schön. Nur das Rheinwald Tal erschien etwas lang, aber dann
wurde die Strasse wieder steiler und schlängelte sich in die Rofla Schlucht
hinunter. Ich beendete die Fahrt des Tages in Andeer, wo ich das letzte freie
Hotelzimmer des Dorfes in Anspruch nahm.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Lavertezzo | 0 | 550 | |
| S. Bartolomeo | 4 | 490 | |
| Selvatica | 9 | 470 | |
| Gordola | 12 | 230 | |
| Gerra (Piano) | 16 | 200 | |
| Cugnasco | 17 | 230 | 30 |
| Gudo | 20 | 220 | |
| Sementina | 24 | 260 | 40 |
| Carasso | 27 | 230 | |
| Molinazzo | 29 | 270 | 40 |
| Arbedo | 30 | 240 | |
| Roveredo | 39 | 290 | 50 |
| Lostallo | 49 | 420 | 130 |
| Mesocco | 60 | 790 | 370 |
| Forcola | 72 | 1660 | 870 |
| S. Bernardino | 74 | 1610 | |
| Passo del S. Bernardino | 82 | 2070 | 460 |
| Hinterrhein | 92 | 1620 | |
| Splügen | 103 | 1460 | |
| Sufnersee | 108 | 1400 | |
| Andeer | 117 | 980 | |
| Total | 117 | 1990 |
Strecke 5 (21. August 1993): Andeer - Sargans - Oetwil a.d.L.
Im letzten Abschnitt dieser Tour ging es nur noch bergab oder flach. Die
Strecke war mir fast vollständig schon bekannt und ich fuhr ziemlich schnell.
Ich war neugierig zu sehen, wie man beim Walensee durchkommt. Einige Jahre früher
musste ich über den Kerenzerber fahren, weil die Hauptstrasse zu einem Teil der
Autobahn umfunktioniert wurde, also verbote für Fahrräder. Aber jetzt war ein
Farradweg da. Sogar mehrere eigene Tunnels war für die Radfahrer gebaut worden,
so dass man problemlos durchkam. Trotz sehr steile Stellen und solche mit Kies
was dies ein grosser Fortschritt.
Als ich bei Niederurnen eine kleine Pause machte, kam eine Dame aus einem Haus,
um mir ein Getränk zu bringen. Nach einem ersten Moment der Überraschung nahm
ich ihren Angebot dankbar an. Der Rest der Streck war flach und eher
uninteressant. Erst die Stadt Zürich brachte mir die nächste Überraschung, aber
eine schlechte. Ich war auf dem Radweg, den ich zwei oder drei Jahre früher
jeweils zur Arbeit genommen hatte. Jetzt hatte sich aber der grosse Drogenmarkt
von zürich voll auf diesem Radweg etabliert. Ich musste vom Rad absteigen und
konnte kaum durch die Drögler und Drogenmakler durchkommen. Es waren zwar einige
Polizisten da, aber sie schauten nur zu. Die abscheuliche Szene schokierte mich.
Am Vortag war ich auf dem San Bernardino wie im Himmel gewesen. Die Drogenszene
von Zürich war aber wie die Hölle (inzwischen glücklicherweise aufgelöst).
Dieser riesige Kontrast blieb aber die markanteste Erinnerung dieser 1993 Tour.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Andeer | 0 | 980 | |
| Thusis | 12 | 720 | |
| Rothenbrunnen | 16 | 620 | |
| Bonaduz | 27 | 660 | 40 |
| Reichenau | 29 | 590 | |
| Tamins | 30 | 630 | 40 |
| Felsberg | 36 | 570 | |
| Chur | 40 | 600 | 30 |
| Masans | 43 | 570 | |
| Stelli (Chur) | 44 | 590 | 20 |
| Untervaz Station | 49 | 540 | |
| Zizers | 51 | 560 | 20 |
| Sargans | 68 | 480 | |
| Mühlehorn | 95 | 420 | |
| Mülital | 96 | 460 | 40 |
| Rüti (Bilten) | 109 | 420 | |
| Oberbilten | 110 | 450 | 30 |
| Allmeind (Bilten) | 112 | 420 | |
| Reichenburg | 114 | 440 | 20 |
| Buttikon | 116 | 420 | |
| Siebnen | 121 | 450 | 30 |
| Zürich | 165 | 410 | |
| Am Wasser (Zürich) | 170 | 400 | |
| Höngg (Zürich) | 172 | 430 | 30 |
| Geroldswil | 179 | 400 | |
| Oetwil a.d.L. | 180 | 420 | 20 |
| Total | 180 | 320 |
PS / 7.12.1996



