Tour 1994, 17 - 23 Juli
| Strecke | Distanz (km) | Steigung (m) |
|---|---|---|
| Oetwil a.d.L. - Sargans - Gaschurn | 191 | 880 |
| Gaschurn - Bielerhöhe - Reschen - Sta Maria | 156 | 2290 |
| Sta Maria - Stelvio - Umbrail - Sta Maria | 64 | 1870 |
| Sta Maria - Umbrail - Foscagno - Bernina - Albula - Preda | 131 | 3670 |
| Preda - Davos - Leuggelbach | 166 | 1140 |
| Leuggelbach - Klausen - Oetwil a.d.L. | 144 | 2040 |
| Total | 852 | 11890 |
Strecke 1 (17. Juli 1994): Oetwil a.d.L. - Sargans - Gaschurn
Die Vorbereitungen dieser Fahrradtour waren alles andere als geruhsam. Am Abend
vor der Abfahrt (an einem Samstag) musste ich nämlich zuerst an meinem Arbeitsplatz
vorbeigehen, um ein Experiment zu überprüfen. Danach fuhr ich in die Stadt hinein,
um mir dort die Haare schneiden zu lassen. Dann aber wollte ich noch mit ein paar
Kollegen zusammen den Zürichsee überqueren, wobei ich gerade rechtzeitig in Horgen,
unserem vereinbarten Treffpunkt, eintraf. Mit ihnen zusammen schwamm ich die 2,5 km
weit nach Feldmeilen. Die Strecke zurück nach Horgen fuhren wir auf unseren
Begleit-Booten. Schliesslich veranstalteten wir noch eine Grill-Party am Seeufer.
Als ich wieder zu Hause ankam, war es schon 21 Uhr. Mit einer Schnittwunde am
grossen Zeh, die ich mir am Seestrand geholt hatte, befand ich mich in der Lage,
dass ich noch immer nichts für meine Fahrradtour gepackt hatte.
Nun denn, trotzdem gelang es mir am nächsten Morgen um 06.30 Uhr loszufahren. Das
Wetter zeigte sich von der freundlichen Seite; dabei wurde es zunehmend wärmer. Ich
radelte zunächst Richtung Zürich, dann dem See entlang. Dieser Teil der Strecke ist
recht flach, denn ich radelte am Ufer von Seen und Flüssen. Zudem verlief mein Weg
ziemlich parallel zur Autobahn mit dem Vorteil, dass sich der Verkehr dort
zusammenballte und meine Fahrt vor Abgasen verschonte. Erst nach Bludenz, welches
sich bereits in Österreich befindet, änderte sich die Verkehrslage; dort herrschte
nämlich ein reger Sonntagsverkehr. Die Strasse stieg langsam an, sodass ich die
Müdigkeit in den Beinen spürte. Das Montafon ist ausgesprochen touristisiert und die
Österreicher ebenso gastfreundlich. Deshalb befinden sich entlang der Strasse nicht
nur Hotels, sondern auch Gästezimmer. Es ist jeweils deutlich zu erkennen, ob es
noch freie Zimmer gibt oder nicht. Auf diese Weise entstehen bei der Suche nach
einer Unterkunft kaum Schwierigkeiten.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Oetwil a.d.L. | 0 | 420 | |
| Geroldswil | 1 | 400 | |
| Höngg (Zürich) | 7 | 430 | 30 |
| Altstetten (Zürich) | 10 | 400 | |
| Pfäffikon | 46 | 420 | 20 |
| Lachen | 52 | 410 | |
| Siebnen | 56 | 450 | 40 |
| Buttikon | 61 | 420 | |
| Reichenburg | 63 | 440 | 20 |
| Allmeind (Bilten) | 66 | 420 | |
| Oberbilten | 68 | 450 | 30 |
| Rüti (Bilten) | 69 | 420 | |
| Mülital | 81 | 460 | 40 |
| Mühlehorn | 82 | 420 | |
| Mels | 108 | 490 | 70 |
| Vaduz | 126 | 460 | |
| Möliholz | 128 | 470 | 10 |
| Schaan | 130 | 450 | |
| Forstwald | 131 | 470 | 20 |
| Äscher | 133 | 450 | |
| Nendeln | 134 | 470 | 20 |
| Nendeln | 135 | 450 | |
| Tisis | 139 | 500 | 50 |
| Feldkirch | 141 | 460 | |
| Bludenz | 163 | 570 | 110 |
| St. Anton | 169 | 640 | 70 |
| St. Anton | 170 | 620 | |
| Gaschurn | 191 | 970 | 350 |
| Total | 191 | 880 |
Strecke 2 (18. Juli 1994): Gaschurn - Bielerhöhe - Reschen - Sta Maria
Nach einer wohligen Nacht und einem leckeren Frühstück fühlte ich mich fit für
den ersten Anstieg. Sowohl die Route über den Arlberg als auch die Silvretta-
Hochstrasse über die Bieler Höhe führen von Bludenz nach Landeck. Da der Arlberg die
kürzere und bessere Durchfahrtsstrasse ist, trifft man nur auf touristischen Verkehr
auf der Bieler Höhe. Hingegen verwirrten während dem Anstieg unwiderstehliche
Walderdbeeren, die den Weg säumten, meine Sinne. Oben auf dem Gipfel gönnte ich mir
eine Rast, einerseits um den See und das Stauwehr anzusehen, anderseits um die
technischen Erläuterungen zu diesem hydroelektrischen Bauwerk zu studieren.
Das Paznaun-Tal auf der anderen Seite der Anhöhe ist schlicht und einfach
wundervoll. Ich schätzte diese Wegstrecke... bis zu dem Moment, wo sie sich mit der
Arlberg-Route wieder vereinte. Von Landeck erinnere ich mich nur vom starken Verkehr
und von Rotlichtern. Der neuerliche Anstieg im Inn-Tal besteht vor allem aus der
Hauptstrasse. Auf diese Weise näherte ich mich wieder der Schweiz, wobei ich gegen
Italien zu hielt; nämlich Richtung Lauders. Unterwegs musste ich anhalten, um vor
einem Gewitter Zuflucht zu suchen; dann aber erreichte ich die Landesgrenze auf dem
Reschen-Pass. Während meiner Fahrt nieselte es unaufhörlich. Im Vorbeifahren
erkannte ich den berühmten Kirchturm im See, das einzig sichtbare Merkmal des
ehemaligen Dorfes, das im Stausee versinken musste. Bevor ich Mals erreichte, fiel
erneut starker Regen. Durchfroren begab ich mich in eine Gaststätte, um mir einen
heissen Tee zu genehmigen. Zwar tat mir dies gut; dennoch fühlte ich noch immer die
Kälte in meinem Körper, als ich mich auf den Sattel schwang: Meine Beinmuskeln
schmerzten, was sich natürlich dadurch nicht verbesserte, dass ich den Anstieg
Richtung Münster in Angriff nahm. Auf diese Weise gelangte ich zurück in die
Schweiz. In Sta. Maria gab es noch genau ein einziges freies Bett, was für mich
natürlich genügte.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Gaschurn | 0 | 970 | |
| Partenen | 3 | 1030 | 60 |
| Vermuntdamm | 12 | 1740 | 710 |
| Bielerhöhe | 19 | 2040 | 300 |
| Engadiner Hütte | 21 | 1870 | |
| Wirl | 28 | 1630 | |
| Tschafein | 31 | 1540 | |
| Aussertschafein | 32 | 1550 | 10 |
| Ebene (Ischgl) | 43 | 1270 | |
| Ulmicher Wald | 44 | 1290 | 20 |
| See | 57 | 1030 | |
| Trisannabrücke | 62 | 860 | |
| Pians | 63 | 900 | 40 |
| Landeck | 68 | 790 | |
| Ried | 84 | 880 | 90 |
| Pfunds | 99 | 970 | 90 |
| Rauth | 102 | 990 | 20 |
| Nauders | 112 | 1340 | 350 |
| Passo di Rèsia | 118 | 1510 | 170 |
| S. Valentino | 128 | 1470 | |
| Burgùsio | 137 | 1210 | |
| S. Cesario (Laùdes) | 143 | 950 | |
| Tubre | 150 | 1240 | 290 |
| Sta Maria | 156 | 1380 | 140 |
| Total | 156 | 2290 |
Strecke 3 (19. Juli 1994): Sta Maria - Stelvio - Umbrail - Sta Maria
Der dritte Steckenabschnitt schliesst sich in sich selber durch einen einzigen
Pass. Dennoch ist es kein Geringerer als das Stilfserjoch. Als ich startete,
donnerten erneut Gewitter herunter und der Himmel war wolkenbehangen. Zuerst musste
ich ins Vischgau hinunter fahren. Nach einer ebenen Wegstrecke im Tal erreichte ich
Prad am Fuss des Stilfserjochs. Von dort aus sind es beachtliche 1850 m, die es zu
erklimmen galt: Von Trafoi an zählt die Strecke ganze 40 Windungen! In den Kurven
stehen jeweils Markiersteine. Auch die Höhe über Meer ist häufig darauf angegeben,
was die Überwachung der Steigung zum Gipfel erleichtert. Ich überholte mehrere
Gruppen von Velofahrern. Leider liessen sich diese von Autos begleiten. Eines davon
überholte mich laufend, nur um mich anschliessend gleich häufig wieder vorbei zu
lassen. Abgesehen von diesem ausgesprochen lästigen Spiel gab es kaum Autos auf der
Strecke.
Der Himmel war nach wie vor bedeckt, die Luft frisch: Ausgezeichnete Bedingungen für
den Aufstieg. Die Windungen folgten einander in immer enger werdender Abfolge. Bis
zum Gipfel gönnte ich mir keine Pause. Oben angekommen trank ich eine Tasse Tee und
versuchte mich zu trocknen - denn Schweiss und kalter Wind ergeben ein ungutes
Gemisch - zudem kaufte ich Postkarten. Es wird behauptet, das Stilfserjoch sei der
höchste Pass in Europa. Offensichtlich gilt dies nicht gegenüber von Saumpfaden und
anderen ungeteerten Strassen. Zudem vergassen die Italiener den französischen
Iseran-Pass in die Betrachtungen einzubeziehen, der 7 m höher ist (und die Bonette,
die 44 m höher ist, aber streng genommen kein Pass sondern ein Gipfel).
Nach einer kurzen Abfahrt Richtung Umbrail-Pass fand ich die Grenze geschlossen vor.
Die Zollbeamten liessen mich wissen, dass ein Erdrutsch stattgefunden hatte und die
Strasse nach Sta. Maria zur Zeit gerade wieder hergestellt wurde. Nach einem kurzen
Wortwechsel durfte ich dennoch an ihnen vorbei gehen; sie erlaubten mir nämlich,
mein Fahrrad über den Erdwall zu stossen.
Im Verlauf des Nachmittags regnete es von Neuem. Ich war jedoch bereits in mein
Hotel in Sta. Maria zurückgekehrt.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Sta Maria | 0 | 1380 | |
| Tubre | 6 | 1240 | |
| Glurns / Glorenza | 15 | 910 | |
| Schacht | 18 | 890 | |
| Montechiaro | 19 | 910 | 20 |
| Prato | 22 | 910 | |
| Gomagoi | 28 | 1270 | 360 |
| Trafoi | 32 | 1570 | 300 |
| Franzenhöhe | 39 | 2190 | 620 |
| Giogo dello Stèlvio | 46 | 2760 | 570 |
| Pass Umbrail | 50 | 2500 | |
| Sta Maria | 64 | 1380 | |
| Total | 64 | 1870 |
Strecke 4 (21. Juli 1994): Sta Maria - Umbrail - Foscagno - Bernina - Albula - Preda
Vor dieser Wegstrecke gönnte ich mir einen Tag Pause. Mit meinem Kollegen Ruedi -
seine Eltern wohnen in Sta. Maria -, mit seiner Frau und ihrem Kind begaben wir uns
auf eine lange Wanderung. Wiederum regnete es. Als ich mich danach erneut auf das
Fahrrad schwang, tat sich das Wetter auf. Dies gefiel mir bedeutend besser, denn ich
hatte einen langen Streckenabschnitt mit fünf Pässen von über 2000 m eingeplant. Der
erste war der Umbrail-Pass, von wo ich zwei Tage zuvor hergekommen war. Die Strasse
ist über mehrere Kilometer hinweg ungeteert. Trotzdem ergibt sich kein sonderliches
Problem daraus; der Kies ist nämlich fein und schadet den Reifen kaum. So hatte ich
auch keinen Platten zu beklagen. Auf dem Gipfel angekommen hatte ich den höchsten
Pass der Schweiz, der mit dem Rennrad befahrbar ist, erklommen - nicht nur in der
Abfahrt wie gestern.
Wegen des schlechten Strassenzustands war die Abfahrt nach Bormio alles andere als
lustig: Zahlreiche Schlaglöcher und Tunnels ohne Beleuchtung! Glücklicherweise kam
ich heil unten an; so wandte ich mich darauf stracks dem nächsten Pass, dem
Foscagno, zu. Die Steigung war zunächst sanft, aber lang anhaltend; danach war die
Strecke etwas steiler. Es gab Verkehr, inklusive Lastwagen. Die Schlimmsten sind die
Unsichtbaren - ich meine ja hinter der Wolke von Abgasen, die sie ausstossen!
Zwischen dem Foscagno- und dem d’Eira-Pass fällt die Strasse nur leicht ab. Sie
sinkt nicht einmal unter die Grenze von 2000 m Höhe. Kaum ist der erste Pass
erreicht, ist man auch schon fast auf dem zweiten. Aber eben, nur fast.
Die Region von Livigno ist zollfreie Zone. Dies lässt sich sofort an den zahlreichen
Läden mit Spirituosen, Zigaretten und Parfüms erkennen. Versucht ja nicht mit dem
Fahrrad am Wochenende dorthin zu fahren: Das Benzin ist nämlich ebenfalls bedeutend
billiger, was natürlich viele Automobilist/innen anzieht. Da ich vom d’Eira-Pass
herkam, konnte ich das Zentrum von Livigno meiden. Es war Nachmittag und trotz der
Höhe ziemlich heiss. Zwar spürte ich langsam die Müdigkeit, aber der Aufstieg war
nur kurz. Oben angekommen befand ich mich bereits wieder in der Schweiz. Dennoch
steht die Zollstation erst etwas weiter unten, kurz vor der Strasse zur Bernina. Der
Bernina-Pass war mein letztes geplantes Höhenziel für den heutigen Tag. Zugegeben,
ich schummelte ein wenig, da ich ja bereits auf mehr als 2000 m startete. Zufrieden
über den schnellen und leicht überwindbaren Aufstieg kam ich oben an: Der fünfte
Pass dieses Tages war geschafft!
Nach einer kurzen Pause begab ich mich auf die Abfahrt. Breite Strasse, mässig
steil, gerade richtig zum Laufen lassen. Als ich dann die grossen Hotelkasten von
Pontresina und all seine Touristen erreichte, beschlich mich ein ungutes Gefühl.
Zudem zeigte sich die Landschaft wegen der Trockenheit grau und braun. Dies gefiel
mir ebenfalls nicht. Weshalb sollte ich also an diesem Ort rasten? So beschloss ich
noch ein Stück weiter zu fahren. Und ohne mir wirklich Rechenschaft abzulegen, hatte
ich auch schon den sechsten Pass von über 2000 m Höhe unter den Rädern: Den Albula-
Pass. Dies versetzte mich in eine fast euphorische Stimmung; Müdigkeit und Schmerzen
spürte ich kaum. In diesem Zustand erreichte ich den Pass. Auf der Abfahrt jedoch
hielt ich beim ersten Hotel, das ich traf, an. Dieses befand sich in Preda.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Sta Maria | 0 | 1380 | |
| Pass Umbrail | 13 | 2500 | 1120 |
| Molina (Bòrmio) | 30 | 1290 | |
| Isolaccia | 38 | 1350 | 60 |
| Passo di Foscagno | 53 | 2290 | 940 |
| Ponte del Rez | 57 | 2020 | |
| Passo d'Eira | 60 | 2210 | 190 |
| S. Rocco | 67 | 1850 | |
| Alpe Campaccio | 72 | 1950 | 100 |
| Forcola di Livigno | 79 | 2320 | 370 |
| La Motta | 83 | 2050 | |
| Pass dal Bernina | 86 | 2320 | 270 |
| Pontresina | 102 | 1790 | |
| La Punt | 114 | 1690 | |
| Pass d'Alvra | 123 | 2310 | 620 |
| Preda | 131 | 1790 | |
| Total | 131 | 3670 |
Strecke 5 (22. Juli 1994): Preda - Davos - Leuggelbach
Von Preda aus erstreckt sich eine lange Abfahrt. Leider ist der Strassenbelag
eher verlottert. Obschon dies den Aufstieg weniger beeinträchtigt, wirkt es sich auf
die Abfahrt knifflig und gefährlich aus. In Bergün machte ich sogar fast einen
Unfall, und zwar folgendermassen: Ich näherte mich einem Kind, das auf dem Gehsteig
rannte. Ich dachte, es könnte vielleicht über die Strasse wollen, und hielt mich zum
Bremsen bereit. Tatsächlich, unmittelbar vor meinem Vorderrad rannte es über die
Strasse. Mir blieb keine Zeit zum Reagieren, obschon ich darauf gefasst gewesen war.
Glücklicherweise habe ich das Kind nicht erfasst. Es gibt halt eben Momente, wo
Motorenlärm doch dienlicher ist als ein lautloses Fahrrad...
Nach Filisur musste ich noch weiter ins Tal hinunter fahren, um die Strasse zu
erwischen, die entlang dem gegenüberliegenden Hang nach Davos führt. Als ob es einen
zusätzlichen Höhenunterschied bräuchte, fällt die Strasse zwischen Wiesen und dem
Landwasser-Tunnel noch einmal ab. Der Tunnel ist fast 3 km lang - im Aufstieg -
schlecht für das Fahrrad. Ich entschied mich den Weg zu nehmen, der dem Fluss
entlang führt. Zwar gibt es dort ein Fahrverbot und der Belag ist kläglich; dennoch
ist er der Tunnelfahrt überlegen.
Der Anstieg Richtung Davos ist reizvoll. Er führt zuerst zwischen zerklüfteten
Felswänden, später durch ein breites Tal mit vielen Weiden hindurch. Hinter Davos
folgt die Strasse dem Wolfgangsee entlang und überquert danach den gleichnamigen
Pass. Die Abfahrt ins Prättigau wird durch einen kurzen Anstieg bei Klosters und
durch ein paar Abflachungen unterbrochen. An den steilsten Stellen lassen sich
wirklich interessante Geschwindigkeiten erreichen! Auf der Ebene unten angekommen
hatte ich aber noch die Hälfte der Tagesstrecke zurückzulegen. Diese war fast
vollkommen flach und ebenso uninteressant.
Schliesslich erreichte ich das Linth-Tal; dort genoss ich Rückenwind. Dies ist
übrigens allgemein charakteristisch für die Alpen-Täler: Bei schönem Wetter bläst
der Wind am Nachmittag jeweils bergaufwärts - natürlich liegt es mir fern, meine
Leser/innen mit thermodynamischen Gesetzen, die das Phänomen auslösen, zu
langweilen. So fuhr ich auf die Stadt Glarus zu und begann nach einer Unterkunft
Ausschau zu halten. Da war ich aber erstaunt, als ich das Ende der Stadt erreichte
und noch kein einziges Hotel gesichtet hatte! Weil ich nicht umkehren wollte, fuhr
ich halt weiter. Als einmal ein Zimmer ausgeschrieben war, begab ich mich dorthin,
nur um zu erfahren, dass es bereits besetzt war: Nein, wenn dies vorkomme, werde die
Ausschreibung nicht angespasst. Was für eine Gastfreundschaft verglichen damit, was
ich ein paar Tage zuvor in Österreich erlebt hatte! Schliesslich fand ich in einem
winzigen Hotel in Leuggelbach doch noch ein Zimmer. Das Zimmer jedoch war nicht
bereit, weil das Zimmermädchen seinen freien Nachmittag einzog. Na ja, sie kam dann
doch noch... gerade als ich aus der Dusche hervorkam.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Preda | 0 | 1790 | |
| Bravuogn | 7 | 1370 | |
| Filisur | 15 | 1010 | |
| Alvaneu Bad | 19 | 940 | |
| Wiesen | 30 | 1440 | 500 |
| Landwasser-Zügen | 34 | 1240 | |
| Davos Platz | 48 | 1560 | 320 |
| Wolfgangpass | 54 | 1630 | 70 |
| Brüggen | 61 | 1180 | |
| Klosters Platz | 62 | 1210 | 30 |
| Saas i. P. | 71 | 990 | |
| Küblis | 74 | 820 | |
| Landquart | 96 | 530 | |
| Walenstadt | 125 | 430 | |
| Mühlehorn | 137 | 420 | |
| Mülital | 138 | 460 | 40 |
| Gäsi (Filzbach) | 142 | 420 | |
| Ennenda | 157 | 470 | 50 |
| Höf | 159 | 520 | 50 |
| Mitlödi | 160 | 500 | |
| Nidfurn | 165 | 580 | 80 |
| Leuggelbach | 166 | 550 | |
| Total | 166 | 1140 |
Strecke 6 (23. Juli 1994): Leuggelbach - Klausen - Oetwil a.d.L.
In diesem Hotel erlebte ich eine zusätzliche Überraschung. Am Vorabend erkundigte
ich mich nämlich, ob es möglich sei mit Kreditkarte zu bezahlen, was mir bestätigt
wurde. Als ich dann am nächsten Morgen die Rechnung verlangte, wusste die
Hotelbesitzerin nicht einmal wirklich, wie eine Kreditkarte aussah. Ich hatte aber
nur noch ein paar wenige Franken in der Hosentasche; also blieb dem Besitzer nichts
anderes übrig als italienische Liren anzunehmen - davon hatte ich nämlich von den
vorherigen Streckenabschnitten noch genügend übrig.
Der erste Teil meines Weges, das Tal entlang Richtung Linthal, war gerade richtig
zum Aufwärmen. Darauf folgte eine kräftige, aber landschaftlich reizvolle Steigung
zum Hochtal des Urnerbodens. Dort oben ist eine entspannte Fahrt möglich, weil der
Weg über mehrere Kilometer hinweg sanft abfällt. Dies ist eine gute Gelegenheit die
Landschaft zu bestaunen, besonders die riesige Felskette, die im Nord-Westen das Tal
begrenzt: Ein wunderschöner Anblick in der Morgensonne!
Danach führte der Aufstieg weiter in Richtung Klausen-Pass. Der Weg verlief erneut
steil und kurvenreich. Dieser Pass ist einer der schönsten, den ich kenne.
Anscheinend bin ich mit dieser Meinung nicht allein, wenn ich an die vielen Velo-
und Motorradfahrer denke, die ich unterwegs antraf. Es war Samstag und der Verkehr
nahm laufend zu bis ich oben ankam. Nach einer kleinen, wohlverdienten Rast machte
ich mich auf Richtung Altdorf. Dies ist eine langgezogene und schnelle Abfahrt.
Einzelne Streckenteile werden von felsigen, sozusagen vertikalen Abhängen begrenzt:
Schwindelerregend!
Als ich in Altdorf ankam, trennten mich vom Ziel noch ganze 90 km, die
verständlicherweise bedeutend unspannender waren als die Klausen-Strecke. Nach dem
Aufstieg zum kleinen Türlersee rastete ich noch ein letztes Mal im Äugstertal. Paul,
der Techniker aus unserem Forschungsprojekt, wohnt nämlich dort. Gerne habe ich die
kühlen Getränke, die er mir offerierte, genossen. Nachdem ich Paul und seiner Frau
Olga ein wenig über meine Fahrradreise erzählt hatte, machte ich mich auf nach
Oetwil an der Limmat.
Diese Velo-Tour war wirklich eine meiner schönsten; dennoch war ich froh wieder zu
Hause zu sein - zum Ausruhen... und auch zum Verarbeiten all der fantastischen
Eindrücke, die ich während der vergangenen Woche gesammelt hatte.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Leuggelbach | 0 | 550 | |
| Linthal | 8 | 660 | 110 |
| Hinter Stafel | 19 | 1310 | 650 |
| Port (Urnerboden) | 22 | 1370 | 60 |
| Klausenpass | 31 | 1950 | 580 |
| Unterschächen | 44 | 1000 | |
| Derelen (Spiringen) | 45 | 1050 | 50 |
| Altdorf | 58 | 460 | |
| Flüelen | 61 | 440 | |
| Tellsplatte | 65 | 510 | 70 |
| Schiferen (Morschach) | 69 | 440 | |
| Wolfsprung | 71 | 490 | 50 |
| Brunnen | 73 | 440 | |
| Lücken (Schwyz) | 78 | 480 | 40 |
| Seewen | 79 | 450 | |
| Bernerhöchi | 86 | 560 | 110 |
| Arth | 90 | 420 | |
| Baar | 107 | 440 | 20 |
| Tüfenbach | 116 | 670 | 230 |
| Türlen | 117 | 650 | |
| Habersaat | 119 | 670 | 20 |
| Birmensdorf | 133 | 470 | |
| Ristet (Birmensdorf) | 134 | 490 | 20 |
| Dietikon | 140 | 390 | |
| Oetwil a.d.L. | 144 | 420 | 30 |
| Total | 144 | 2040 |
PS / 3.11.1997



