Tour 1995, 26 Juli - 2 August
| Strecke | Distanz (km) | Steigung (m) |
|---|---|---|
| Lignières - Jaunpass - Pillon - Croix - Villars-sur-Ollon | 177 | 3080 |
| Villars-sur-Ollon - Grand St-Bernard - Châtillon | 143 | 2100 |
| Châtillon - Ivrea - Sesto Calende - Alpe di Neggia | 213 | 2100 |
| Alpe di Neggia - Bellinzona - Biasca | 68 | 260 |
| Biasca - Lucomagno - Versam - Splügen | 161 | 3060 |
| Splügen - Maloja - Julier - Cunter | 122 | 2640 |
| Cunter - Chur - Bonstetten | 181 | 960 |
| Total | 1065 | 14200 |
Strecke 1 (26. Juli 1995): Lignières - Jaunpass - Pillon - Croix - Villars-sur-Ollon
Meine Fahrradtour von 1995 lag lange im Ungewissen, weil mich seit ein paar
Monaten Rückenschmerzen plagten. Schliesslich versuchte ich es einfach: Von
Lignières aus fuhr ich zunächst nach Le Landeron hinunter. Von da aus verlief
meine Strecke mehr oder weniger eben Richtung Murten und Freiburg, welches ich
umfuhr. – Inzwischen schmerzte mich leider mein Rücken. – Die Strasse stieg
leicht an, doch die erste happige Steigung setzte erst bei Greyerz ein. Zwar
verlief die Bergfahrt zum
Jaunpass erträglich, aber oben
angekommen gelang es mir kaum vom Fahrrad herunter zu steigen, geschweige denn
ein paar Schritte zu gehen. Mein Rücken schmerzte unerträglich, weshalb ich an
einen vorzeitigen Abbruch meiner Reise dachte. Doch der Anblick der Berge
hinderte mich daran und nahm mir jede Lust durch die Ebene zurück nach Hause zu
radeln. So beschloss ich noch ein Wegstück anzuhängen.
Das war wirklich eine kluge Entscheidung: Von da an ging es mir nämlich zunehmend
besser. Im Verlauf des Nachmittags verringerten sich meine Schmerzen so weit, dass
ich die drei folgenden Pässe, also
Saanenmöser,
Pillon und Col de la
Croix, sogar geniessen konnte.
Die zweite Anhöhe bestritt ich zusammen mit zwei anderen Radrennfahrern. Auf dem
letzten Gipfel diskutierte ich zudem eine Zeit lang mit einer jungen Radlerin,
die von der anderen Seite her gekommen war. Daher sagte ich mir, dass ich
wirklich gut daran getan habe nicht umzukehren. Nach der Abfahrt hielt ich in
Villars an. Das Hotel, in dem ich übernachtete, war zwar etwas teuer, dafür aber
komfortabel. Demgegenüber entsprach die Speisekarte nicht gerade dem Wolfshunger
eines Radfahrers!
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Les Prés (Lignières) | 0 | 920 | |
| Lignières | 5 | 800 | |
| Le Landeron | 10 | 430 | |
| Ins / Anet | 20 | 480 | 50 |
| Bellechasse | 24 | 430 | |
| Salvenach | 33 | 570 | 140 |
| Schiffenen | 39 | 530 | |
| St. Ursen | 52 | 690 | 160 |
| Tasberg | 53 | 660 | |
| Römerswil | 54 | 700 | 40 |
| Marly | 59 | 620 | |
| Col du Pratzey | 67 | 810 | 190 |
| Hauteville | 73 | 710 | |
| Botterens | 79 | 740 | 30 |
| Montsalvens (Broc) | 80 | 720 | |
| Châtel-sur-Montsalvens | 83 | 880 | 160 |
| Lac de Montsalvens | 85 | 850 | |
| Charmey | 86 | 890 | 40 |
| La Tsintre | 87 | 850 | |
| Jaun | 97 | 1020 | 170 |
| Jaunpass | 106 | 1510 | 490 |
| Reidenbach | 112 | 840 | |
| Saanenmöser | 128 | 1280 | 440 |
| Saanen | 134 | 1010 | |
| Gsteig | 147 | 1180 | 170 |
| Col du Pillon | 157 | 1550 | 370 |
| Les Diablerets | 160 | 1150 | |
| Col de la Croix | 169 | 1780 | 630 |
| Villars-sur-Ollon | 177 | 1250 | |
| Total | 177 | 3080 |
Strecke 2 (27. Juli 1995): Villars-sur-Ollon - Grand St-Bernard - Châtillon
Am nächsten Morgen bei der Abfahrt nach Bex traf ich unerwartet auf einen
bekannten Radrennmeister: Pascal Richard. Er kam von der entgegengesetzten Seite
her und stieg nach Villars hinauf. Ich erkannte ihn sofort ... doch er erkannte
mich nicht. – Möglicherweise würde er es auch mal zur Abwechslung bevorzugen,
inkognito zu radeln, wie ich? – Unten im Tal folgte ich der Hauptstrasse nach
Martigny. Nachdem ich den Ort durchquert hatte, nahm ich die einzige Steigung des
Tages in Angriff: den Grossen Sankt
Bernhard. Zwar lediglich einen einzigen Gipfel, aber dafür 2000 m
Höhenunterschied und erst noch auf den Spuren berühmter Leute wie Hannibal und
Napoleon!
Der Aufstieg ist nicht schwierig, dafür endlos lang. Ich brauchte dazu ungefähr
drei Stunden – inklusive kleiner Pausen. Der Hauptteil der Strecke bestand aus
einer breiten Strasse mit gewichtigem Verkehr; doch die meisten Lastwagen und
Autos verschwanden danach im Tunnel. Die letzten Kilometer spielten sich daher
ruhig ab. Auf dem Pass oben hielt ich beim Hospiz an und verpflegte mich. Darauf
folgte die lange Abfahrt nach Aosta. So flink ich an Höhe verlor, so flott stieg
auch die Temperatur. Ich hatte schon wieder Durst, als ich im Tal unten ankam.
Auf meiner Fahrt Richtung Osten traf ich auf einen steifen Gegenwind.
Schliesslich erreichte ich Châtillon, unten am Valtournanche-Tal, das von
Matterhorn her kommt. Ich fand ein neu erstelltes Hotel, das sowohl behaglich als
auch preisgünstig war... dafür um so langweiliger – internationaler Stil: es
hätte irgendwo auf der Welt stehen können. Die Gaststube, in der ich zu Abend
ass, erwies sich dafür um so interessanter: Genügend Teigwaren für einen
Radrennfahrer, begleitet von einem Glas Wein, gefolgt von einer Süssspeise. Dies
alles für weniger als 10'000 Lire – ein einträgliches Geschäft.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Villars-sur-Ollon | 0 | 1250 | |
| Bex | 16 | 410 | |
| Martigny | 36 | 470 | 60 |
| Sembrancher | 49 | 710 | 240 |
| Orsières | 56 | 910 | 200 |
| Bourg-St-Pierre | 69 | 1650 | 740 |
| Bourg-St-Bernard | 75 | 1930 | 280 |
| Grand St-Bernard | 82 | 2470 | 540 |
| Etroubles | 100 | 1260 | |
| Aosta | 116 | 590 | |
| Nus | 130 | 530 | |
| Chambave | 138 | 470 | |
| Châtillon | 142 | 510 | 40 |
| Gléréyaz (Châtillon) | 143 | 470 | |
| Total | 143 | 2100 |
Strecke 3 (28. Juli 1995): Châtillon - Ivrea - Sesto Calende - Alpe di Neggia
Auf dem dritten Streckenabschnitt galt es zunächst stromabwärts zu fahren,
diesmal jedoch in südlicher Richtung. Der Verkehr nahm laufend zu und die
Strassen waren schlecht. In Ivrea angekommen begrüsste ich es also, dass ich
erneut nach Osten abschwenken konnte. Mein Ziel hiess Langensee, weshalb ich
mehrere Täler durchqueren musste. Entsprechend hatte ich auch verschiedene Auf-
und Abstiege zu bestehen, aber keiner verdient gesteigerte Beachtung. Ausserhalb
von Biella traf ich auf so viele Insekten, dass ich keine einzige Minute hätte
anhalten können – jedenfalls nicht mit meinem gelben Radleranzug, der die
unterschiedlichsten Fliegen und Mücken anlockte.
In Sesto Calende, am südlichen Ende des Langensees, meinte ich, ich hätte den
strengsten Teil meiner Tagesstrecke hinter mir. Ich musste nämlich lediglich noch
dem See entlang radeln und nach einer Unterkunft Ausschau halten. Also fuhr ich
bis Maccagno, einem der letzten Orte vor der Schweizer Grenze. Dort begab ich
mich zum Verkehrsbüro und erfuhr, dass es in der Stadt kein einziges freies
Zimmer mehr gab. So ein Pech! Insbesondere deshalb, weil ich von dort aus nicht
dem See entlang, sondern über die Berge weiter fahren wollte. Nun denn, was
sollte ich anderes tun als nach Indemini aufzusteigen? Es war wirklich ein
reizvoller Aufstieg; doch ich spürte langsam die Müdigkeit. Ich hatte schon über
200 km in den Beinen, als ich die Grenze überquerte. In Indemini erkundigte ich
mich erneut nach einer Unterkunft. Die eine war besetzt und die andere – dort
fand ich keine Menschenseele. Tja, nun musste ich nochmals weiter fahren; und die
Strasse stieg wirklich steil an. Auf dem Pass,
Alpe di Neggia, konnte ich
schlussendlich bleiben. Es war schon beinahe 19 Uhr und ich war todmüde. Aber
auch glücklich: Wundervolle Aussicht, sympathische Leute, ein leckeres Abendessen
und schliesslich der wohlverdiente Schlaf in einem Chalet, mit frischer Bergluft
zur Nachtmusik von Kuhglocken.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Gléréyaz (Châtillon) | 0 | 470 | |
| St-Vincent | 3 | 560 | 90 |
| Berriaz | 9 | 380 | |
| Pont-St-Martin | 29 | 340 | |
| Ivrea | 46 | 240 | |
| Taglio Grosso | 59 | 580 | 340 |
| Mongrando | 70 | 320 | |
| Biella | 78 | 420 | 100 |
| Rivone | 88 | 240 | |
| Porrino | 91 | 280 | 40 |
| Rolino | 94 | 230 | |
| S. Bernardo | 106 | 290 | 60 |
| Gattinara | 107 | 260 | |
| Enea | 118 | 350 | 90 |
| Cureggio | 120 | 290 | |
| Gàttico | 128 | 380 | 90 |
| Sesto Calende | 140 | 200 | |
| Ispra | 151 | 220 | 20 |
| Laveno | 168 | 200 | |
| Castelveccana | 176 | 270 | 70 |
| Luino | 185 | 200 | |
| Maccagno | 191 | 220 | 20 |
| Indemini | 208 | 970 | 750 |
| Alpe di Neggia | 213 | 1400 | 430 |
| Total | 213 | 2100 |
Strecke 4 (29. Juli 1995): Alpe di Neggia - Bellinzona - Biasca
Der folgende Streckenabschnitt hätte eigentlich länger sein sollen; doch nun war
ich meinem nächsten Ziel schon ziemlich nahe: Biasca. Dort wollte ich zwei
Freundinnen besuchen, die Zwillinge Michela und Roberta. Wir hatten uns auf den
Nachmittag verabredet; mir blieb also genügend Musse.
Nach dem Frühstück begab ich mich auf die lange und kurvenreiche Abfahrt zum
Langensee. Dabei begegnete ich zahlreichen Radlern, die empor fuhren. Am Samstag
scheint die Alpe di Neggia ein ausgesprochen beliebtes Trainings- und Ausflugsziel
für Radfahrer zu sein. Von Vira nach Bellinzona fand ich mich zeitweise in starkem
Verkehr wieder – Samstagseinkäufe. Anschliessend überquerte ich den Fluss Tessin und
suchte mir den kleinsten sowie ruhigsten Weg der westlichen Riviera in Richtung
Biasca aus. Es war eine mühelose Fahrt; daher erreichte ich Biasca um die
Mittagszeit herum. Weil ich noch zu früh war, beschloss ich einen kurzen Abstecher
ins Blenio-Tal zu machen. In der Nähe von Semione badete ich im Fluss. Später kehrte
ich nach Biasca zurück.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Alpe di Neggia | 0 | 1400 | |
| Vira | 14 | 210 | |
| Magadino | 15 | 200 | |
| Cadenazzo | 24 | 210 | 10 |
| Giubiasco | 29 | 240 | 30 |
| Bellinzona | 32 | 230 | |
| Gorduno | 35 | 270 | 40 |
| S. Carpoforo (Gorduno) | 36 | 240 | |
| Gnosca | 38 | 270 | 30 |
| Spineda (Gnosca) | 39 | 250 | |
| Iragna | 50 | 280 | 30 |
| Biasca | 54 | 300 | 20 |
| Semione | 61 | 400 | 100 |
| Biasca | 68 | 300 | |
| Total | 68 | 260 |
Strecke 5 (31. Juli 1995): Biasca - Lucomagno - Versam - Splügen
Den Sonntag verbrachte ich mit Michela, Roberta und ihren Eltern. Wir
unternahmen einen Ausflug in die Berge zu einem alten Steingebäude – einem
sogenannten Rustico. Dort oben im Wald begutachteten wir die bis anhin
ausgeführten Instandstellungen.
Nach diesem Ruhetag schwang ich mich am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe, als
alle noch im Bett lagen, erneut in den Sattel. Während der ersten paar Kilometer
kannte ich den Weg bereits von vor zwei Tagen. Bis dahin wies das Blenio-Tal nur
eine schwache Neigung auf. Hinter Olivone beginnt der eigentliche Anstieg:
Ziemlich lang gezogen, jedoch wenig steil. Während meiner Bergfahrt auf den
Lukmanier zeigte sich der Himmel
bedeckt und die Luft recht frisch. Also trank ich mit Vergnügen eine Tasse
heisser Tee im Pass-Restaurant. Von dort aus musste ich noch ein kleines Stück
hochfahren: Es gibt nämlich einen Stausee unmittelbar hinter dem ’natürlichen’
Pass; um diesen zu umfahren steigt der Weg nochmals leicht an. Die Abfahrt
empfand ich dann trotz meiner Windjacke recht kühl. Ich erreichte aber rasch
Disentis, wo es bereits milder war. Unmittelbar hinter der Ortschaft schwenkte
ich in den Fahrrad- Weg nach Ilanz ein. Dies erwies sich als schlechte Idee, denn
er führte mich zu einer belagsfreien Strasse. Also musste ich wieder auf die
linke Talseite hochklettern, um wieder die Hauptstrasse zu nehmen. Damit habe ich
zwar nicht viel Zeit verloren, aber ich war richtig wütend über diese Falle!
Um die Mittagszeit herum erreichte ich Ilanz, wo ich einen kleinen Imbiss
erstand. Nachher wählte ich den hübschen Weg durch Versam hindurch, den ich von
meiner Radfahrt in 1991 bereits kannte. Von Bonaduz nach Thusis fuhr ich mit
einem einheimischen Radrennfahrer; also konnten wir uns mit der Arbeit gegen den
Wind abwechseln. Danach lenkte ich in die Via Mala; historisch und wie der Name
andeutet, ein ausgesprochen schwieriger Abschnitt durch die Hinterrhein-Schlucht.
Heutzutage ist die Strasse gar nicht so schlecht; glücklicherweise fährt der
grösste Teil des Verkehrs über die parallel gelegene Autobahn. Beim Aufstieg
kreuzte ich Jacques, einen Radrennfahrer aus Neuenburg, den ich von Trainings-
Lager her kenne. Wie gewohnt fuhr er mit atemberaubender Geschwindigkeit
hinunter; so schnell, dass er mich nicht einmal erkannte. Nach der schönen und
wilden Rofla-Schlucht erreichte ich das Hochtal von Rheinwald, das Ziel des
heutigen Tages.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Biasca | 0 | 300 | |
| Ponte Leggiuna | 4 | 370 | 70 |
| Malvaglia | 5 | 360 | |
| Acquarossa | 14 | 530 | 170 |
| Torre | 18 | 760 | 230 |
| Olivone | 24 | 890 | 130 |
| Hospezi Lucmagn | 44 | 1920 | 1030 |
| Pass Lucmagn | 45 | 1970 | 50 |
| Sogn Gions | 52 | 1590 | |
| Curaglia | 59 | 1330 | |
| Fontanivas | 62 | 1070 | |
| Mustér / Disentis | 64 | 1140 | 70 |
| Brulf (Mustör) | 65 | 1020 | |
| Cavardiras | 67 | 1130 | 110 |
| Madernal | 69 | 970 | |
| Punt Grondo | 70 | 1030 | 60 |
| Sumvitg | 73 | 1040 | 10 |
| Ilanz | 97 | 700 | |
| Carnifels (Versam) | 108 | 940 | 240 |
| Versam | 110 | 910 | |
| Versamer Tobel | 112 | 730 | |
| Zault | 114 | 780 | 50 |
| Bonaduz | 119 | 660 | |
| Rothenbrunnen | 125 | 620 | |
| Thusis | 134 | 720 | 100 |
| Zillis | 142 | 940 | 220 |
| Andeer | 146 | 980 | 40 |
| Sufnersee | 155 | 1400 | 420 |
| Splügen | 161 | 1460 | 60 |
| Total | 161 | 3060 |
Strecke 6 (1. August 1995): Splügen - Maloja - Julier - Cunter
Von Splügen aus, wo ich übernachtet hatte, folgte ich der Strasse zum
col du Splügenpass. Wegen der
Höhe des Tales fiel der Anstieg nur kurz aus. Vom Pass aus, wo ich Italien
erreichte, fand ich eine schlecht unterhaltene Strasse vor. Ausserdem erschienen
die ersten paar Dörfer halb verlassen. Am Schlimmsten waren die Tunnels: Ohne
Licht, aber dafür mit Schlaglöchern. Davon abgesehen ist die Talfahrt reizvoll.
Und lang, sehr lang, von über 2000 m Höhe bis auf 300 m hinunter. In Chiavenna
stoppte ich, um zwei jungen Radrennfahrern beim Reifenwechsel zu helfen, denn sie
hatten nicht das passende Werkzeug. In einem einzigen Tag wollten sie sowohl die
Maloja als auch die Bernina erklimmen. Ich wünschte ihnen Glück im Bewusstsein,
dass ihr Vorhaben schwierig war.
Nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch die Architektur wiesen klar darauf hin,
dass ich mich auf der Alpen-Südseite befand. Dies hielt jedoch nicht lange an,
denn hinter Chiavenna wandte ich mich Richtung Osten, dem schönen Bregaglia-Tal
zu und dem Maloja-Pass entgegen.
Dieser Berg besitzt zwei vollkommen unterschiedliche Abhänge: Eine steile
Steigung von Bregaglia aus, jedoch annähernd flach vom Engadin her. Ich kam
anfangs Nachmittag auf dem Pass an und fuhr weiter Richtung Silvaplana. Als ich
meine Trinkflaschen an einem Brunnen auffüllte, kam ein Radrennfahrer in
demselben Anzug wie ich an – Cycles Prof, St-Blaise... also von der anderen Ecke
des Landes – mit MTB. Er hielt sich in dieser Gegend auf, um an einem MTB-
Wettkampf teilzunehmen. Wir tauschten ein paar Worte aus; dann ergriff ich den
Aufstieg Richtung Julier. Auf
der anderen Seite des Passes suchte ich einen Ort zum Übernachten. In Cunter fand
ich ein Hotel-Zimmer. Es war genau der erste August; deshalb konnte ich die
Feuerwerke des National-Feiertages bestaunen.
Ein paar Tage später, als ich mich mit meinem Bruder unterhielt, stellte sich
heraus, dass wir den Splügen fast zur gleichen Stunde überquert hatten.
Eigentlich hätten wir einander in der Nähe der Pass-Höhe auf der italienischen
Seite begegnen müssen. Wir konnten nur feststellen, dass ich ihn zu dem Zeitpunkt
gekreuzt haben muss, als er sich ein wenig von der Strasse entfernt hatte, um
Fotos zu schiessen. Also haben wir uns haarscharf verpasst.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Splügen | 0 | 1460 | |
| Splügenpass | 9 | 2120 | 660 |
| Monte Spluga | 12 | 1910 | |
| Pianazzo | 23 | 1400 | |
| Cimaganda | 31 | 910 | |
| Chiavenna | 40 | 320 | |
| Castasegna | 51 | 680 | 360 |
| Stampa | 58 | 990 | 310 |
| Casaccia | 68 | 1460 | 470 |
| Passo del Maloja | 74 | 1820 | 360 |
| Segl Baselgia | 81 | 1800 | |
| Silvaplana | 85 | 1820 | 20 |
| Pass dal Güglia | 93 | 2280 | 460 |
| Bivio | 102 | 1770 | |
| Cunter | 122 | 1180 | |
| Total | 122 | 2640 |
Strecke 7 (2. August 1995): Cunter - Chur - Bonstetten
Die letzte Strecke dieser Fahrrad-Reise barg nichts Neues für mich. Da ich die
Landschaft und die Strasse kannte, lenkte ich meine Aufmerksamkeit insbesondere
auf die Geschwindigkeit. Dank der Talfahrt und dem Rückenwind – zwischen
Reichenau und Chur – erreichte ich eine ansehnliche mittlere Geschwindigkeit.
Nach drei Stunden Fahrt fuhr ich entlang dem Walensee und mein Zähler zeigte
bereits 100 km. Durch Gegenwind und Steigungen gegen das Ziel hin senkte sich der
Mittelwert anschliessend; dennoch zeigte er 30 km/h, als ich in Bonstetten ankam.
Dies war meine längste Radtour seit je her – eine Genugtuung. Trotzdem: Langsam
habe ich Mühe neue Pässe in den Schweizer Alpen ausfindig zu machen. Ich hatte ja
die meisten davon schon erklommen...
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Cunter | 0 | 1180 | |
| Tiefencastel | 8 | 850 | |
| Valmala (Alvaschagn) | 10 | 960 | 110 |
| Sils i. D. | 20 | 680 | |
| Thusis | 22 | 720 | 40 |
| Rothenbrunnen | 31 | 620 | |
| Bonaduz | 36 | 660 | 40 |
| Reichenau | 38 | 590 | |
| Tamins | 39 | 630 | 40 |
| Felsberg | 45 | 570 | |
| Chur | 49 | 600 | 30 |
| Masans | 52 | 570 | |
| Stelli (Chur) | 53 | 590 | 20 |
| Untervaz Station | 58 | 540 | |
| Zizers | 60 | 560 | 20 |
| Sargans | 77 | 480 | |
| Mühlehorn | 104 | 420 | |
| Mülital | 105 | 460 | 40 |
| Rüti (Bilten) | 118 | 420 | |
| Oberbilten | 119 | 450 | 30 |
| Allmeind (Bilten) | 121 | 420 | |
| Reichenburg | 123 | 440 | 20 |
| Buttikon | 125 | 420 | |
| Siebnen | 130 | 450 | 30 |
| Oberrieden | 161 | 410 | |
| Gattikon | 164 | 550 | 140 |
| Langnau a.A. | 166 | 470 | |
| Albispass | 171 | 790 | 320 |
| Türlen | 173 | 650 | |
| Habersaat | 175 | 670 | 20 |
| Aumüli | 179 | 580 | |
| Schladhau | 180 | 640 | 60 |
| Bonstetten | 181 | 550 | |
| Total | 181 | 960 |
PS / 4.12.1996



