Tour 2002, 12 - 20 Juli
| Strecke | Distanz (km) | Steigung (m) |
|---|---|---|
| Kilchberg - Sattel - Oberalp - Giraniga | 154 | 2620 |
| Giraniga - Julier - Bernina - Poschiavo | 151 | 2810 |
| Poschiavo - Foppa - Tonale - Campo Carlo Magno | 116 | 3370 |
| Campo Carlo Magno - Tione - Croce Domini - Maniva - San Colombano | 121 | 2260 |
| San Colombano - Zeno - Presolana - Zambla - Mezzoldo | 165 | 3490 |
| Mezzoldo - S. Marco - Splügen - Giraniga | 190 | 3910 |
| Total | 897 | 18460 |
Strecke 1 (12. Juli 2002): Kilchberg - Sattel - Oberalp - Giraniga
Es war das dritte Mal, dass ich auf der Strecke dieses ersten Tages fuhr, und
ich brauchte also zuerst keine Strassenkarte... und vergass sie deshalb fast zu
Hause. Meine grösste Sorge vor dieser Tour war, dass ich etwas wenig trainiert war
(nicht mal ganz 2000 km dieses Jahr), und dass ein Handgelenk, ein Schulter sowie
ein Fussgelenk schmerzten. Einige Jahren älter bin ich eindeutig geworden, seitdem
ich 1991 zum ersten mal über den Oberalp gefahren bin! All diese kleine Schmerzen
gingen aber zurück, sobald ich unterwegs gegen die Voralpen und die Alpen war.
An diesem Freitag morgen war das Wetter schön. Ich fuhr los, auch wenn die
Vorhersagen für den Samstag schlecht waren. Ich wollte sowieso schon nach der
ersten Etappe ein Tag Pause machen in Obersaxen. Meine Freundin Catrina war auch
auf dem Weg dorthin, aber mit dem Auto und mit ihrem Vater. Sie konnte also mein
kleines Gepäck mitnehmen, und wir würden uns beim Ferienhaus wieder treffen.
Wegen dem Anfang der Sommerferien gab's etwas mehr Verkehr als sonst, aber es war
nicht so schlimm (mindestens auf meinem Weg; auf der Gotthard-Autobahn konnte ich
aber den Stau sehen). Ich machte eine Halt in Göschenen, wo ich auf der Terrasse
eines Restaurants etwas trinken konnte, was seit der Eröffnung der
Umfahrungsstrasse wieder angenehm ist. Ich fuhr ohne Hast weiter und erreichte den
Oberalppass in der Mitte vom Nachmittag. In der
Abfahrt verlor ich den Deckel einer meiner Falschen. Nicht so schlimm, weil dies
der einzige technische Zwischenfall der ganzen Tour sein sollte!
Die Schlusssteigung von Tavanasa nach Obersaxen war steil, aber ich konnte sie in
einem guten Tempo bezwingen. Ich erreichte Giraniga vor den Autofahrern... aber ich
hatte auch einen Schlüssel und konnte schon mal duschen.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Oberer Mönchhof (Kilchberg) | 0 | 450 | |
| Längimoos | 3 | 510 | 60 |
| Gattikon | 5 | 470 | |
| Sihlbrugg | 15 | 530 | 60 |
| Bethlehem | 23 | 740 | 210 |
| Neuägeri | 24 | 680 | |
| Sattel | 37 | 790 | 110 |
| Brunnen | 50 | 440 | |
| Tellsplatte | 60 | 510 | 70 |
| Flüelen | 64 | 430 | |
| Grund (Schattdorf) | 68 | 490 | 60 |
| Ried (Schattdorf) | 70 | 450 | |
| Amsteg | 81 | 520 | 70 |
| Wassen | 90 | 920 | 400 |
| Andermatt | 100 | 1450 | 530 |
| Oberalppass | 111 | 2040 | 590 |
| Rueras | 121 | 1400 | |
| Mustér / Disentis | 132 | 1140 | |
| Punt Grondo | 136 | 1030 | |
| Sumvitg | 139 | 1060 | 30 |
| Tavanasa | 148 | 820 | |
| Giraniga | 154 | 1250 | 430 |
| Total | 154 | 2620 |
Strecke 2 (16. Juli 2002): Giraniga - Julier - Bernina - Poschiavo
Meine erste Idee war, nur ein Tag in Obersaxen zu bleiben, aber das unsicher
Wetter liess mich zwei weiter Tage warten. Die Sonne war am Dienstag wieder dabei,
und ich setzte mich am Morgen früh auf den Weg.
Wie die erste war auch die zweite Strecke ganz auf Strassen, die ich von früheren
Touren schon kannte. Einzig neu war der Aufstieg zum
Julier vom Norden her, ein langer Aufstieg mit
flacheren Abschnitten. Während ich daran war verschwand wieder die Sonne hinter die
Wolken. Als ich am Pass ankam, gab es einige Regentropfen. Es war Mittag, und ich
entschloss mich für eine kleine Rast. Glücklicherweise war der Regen nicht ernst
und ich konnte dann ohne Problem in Engadin hinunterfahren. Nur die Luft war etwas
kühl.
Die nächste Halt war in St. Moritz, aber nur um Euros aus dem Geldautomat zu
nehmen. Dann überquerte ich das Tal und stieg zur
Bernina hinauf. Auf dieser breiten Strasse gab
es zahlreiche Lastwagen wegen Bauarbeiten bei den kleinen Seen am Pass. Und auch
Busse, weil es Rissen in einer Brücke auf der Bahnlinie gab, und der Zug konnte
nicht verkehren. Sonst war der sanfte Aufstieg eine leichte Sache. Ich war ziemlich
früh, und am Pass erlaubte ich mir deshalb eine länger Pause, um Tee zu trinken und
Zeitungen zu lesen. Die Abfahrt war auch leicht, was besser für mein wieder etwas
schmerzendes Handgelenk war. Wie ich es geplant hatte fuhr ich bis Poschiavo für
diesen zweiten Tag auf der Strasse, über den es gar nicht viel mehr zu erzählen
gäbe. Der Regen kam erst nachher.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Giraniga | 0 | 1250 | |
| Meierhof | 3 | 1320 | 70 |
| Ilanz | 14 | 700 | |
| Carnifels (Versam) | 24 | 940 | 240 |
| Versam | 26 | 910 | |
| Versamer Tobel | 28 | 730 | |
| Zault | 30 | 780 | 50 |
| Bonaduz | 35 | 660 | |
| Rothenbrunnen | 40 | 620 | |
| Thusis | 49 | 700 | 80 |
| Sils i. D. | 51 | 680 | |
| Valmala (Alvaschagn) | 60 | 960 | 280 |
| Tiefencastel | 62 | 850 | |
| Pass dal Güglia | 98 | 2280 | 1430 |
| Silvaplana | 105 | 1800 | |
| St. Moritz | 109 | 1860 | 60 |
| Celerina | 114 | 1720 | |
| Pontresina | 118 | 1800 | 80 |
| Pass dal Bernina | 133 | 2320 | 520 |
| Poschiavo | 151 | 1020 | |
| Total | 151 | 2810 |
Strecke 3 (17. Juli 2002): Poschiavo - Foppa - Tonale - Campo Carlo Magno
Am Anfang des dritten Tages ging es weiter hinunter im Puschlav, bis Tirano in
Italien. Dort bog ich nach Osten ab, verliess aber bald die Hauptstrasse. Ich
wollte ja lieber durch die Obstanlagen von Sernio hinauffahren. Dann, nach einigen
Kilometer abwärts oder flach war ich zwischen Tovo und Mazzo, als ich den
Wegweiser zum ersten neuen Pass dieser Tour erblickte. Und zwar kein Kinderspiel:
die Foppa, oft auch Mortirolo genannt... aber
eigentlich etwa 500 m daneben. Der Aufstieg von Mazzo her ist ununterbrochen sehr
steil, so dass man keine Verschnaufpause hat. Die Giro d'Italia war schon mehrmals
darüber, wie an den Namen gemalt auf der Strasse zu erkennen ist. Wenn man nicht so
stark ist wie diese Kerle, dann kann ein drittes Blatt nützlich sein. Ich habe es
mit einer Übersetzung von 39/26 gemacht, aber es war hart! Einige Radfahrer
betrachte diesen Aufstieg als der schwerste in den Alpen... und meine Meinung ist
auch nicht weit davon.
Nicht mehr weit vom Pass trifft die Strasse auf die weniger steile aus Grosio. Dort
habe ich eine Gruppe von österreichischen Bikern eingeholt. Wir plauderten ein
wenig am Pass und machten auch Photos. Ich habe nie mein Reflex-Photoapparat auf
Touren mitgenommen, weil es Schläge und Feuchtigkeit befürchtet. Ich war aber froh,
als einer dieser Biker ein digitales Bild machte und mir versprach, es per E-Post
zu schicken. Danke!
Als die Biker auf Pfaden gingen, fuhr ich weiter auf der Strasse hinunter nach
Monno, wo ich auf die Strecke meiner 1997er Tour kam, nach Ponte di Legno. Der
Tonale war dann ganz leicht im Vergleich zu
Mortirolo/Foppa. Aber in der Abfahrt hat es angefangen zu regnen, was mir den nassen
Aufstieg von 1999 erinnerte. Glücklicherweise dauerte der Regen nicht lang und,
ausser wegen nassen Füssen, war es kein Problem. Im Val di Sole, um dem Namen
gerecht zu sein, schien wieder die Sonne. Ich nahm dann eine kleine Abkürzung auf
der rechten Talseite hinauf und kam so auf die Strasse nach Madonna di Campiglio.
Die Steigung ist an sich nicht schwer, aber als dritte des Tages schien mir doch
recht lang zu sein. Ich hielt in Campo Carlo
Magno an (Lager von Karl der Grosse), gerade nach dem Pass. In dieser
touristischen Gegend gibt es genug Hotels, auch in der oberen Preisklasse. Wieder
begann es nach meiner Ankunft zu regnen.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Poschiavo | 0 | 1020 | |
| Tirano | 16 | 430 | |
| Sernio | 20 | 610 | 180 |
| Lovero | 23 | 510 | |
| Mazzo | 25 | 540 | 30 |
| Passo della Foppa | 38 | 1850 | 1310 |
| Monno | 47 | 1070 | |
| Incùdine | 51 | 900 | |
| Ponte di Legno | 62 | 1260 | 360 |
| Passo del Tonale | 76 | 1880 | 620 |
| Fucine | 91 | 970 | |
| Mestriago | 100 | 810 | |
| Campo Carlo Magno | 116 | 1680 | 870 |
| Total | 116 | 3370 |
Strecke 4 (18. Juli 2002): Campo Carlo Magno - Tione - Croce Domini - Maniva - San Colombano
Es war wieder sonnig, als der vierte Tag begann. Die zwei ersten Stunden waren
leicht, grösstenteils abwärts. Nur zwischen Tione und Bondo ging es etwas bergauf.
Der ganze Weg zum Idro-See war aber auf Hauptstrassen, mit entsprechend viel Autos
und Lastwagen.
Vor dem See bog ich nach rechts ab, auf die kleine Strasse nach Ricomassimo und
Cerreto hinauf. Es war steil, aber die Kastanienbäumen spendeten Schatten. Es gab
kaum Verkehr. Nach einer kurzen Abfahrt erreichte ich Bagolino, wo eine Halt bei
einer Konditorei eingelegt wurde. Von dort ging es weiter in nördlicher Richtung,
ins Caffaro Tal. Auch dort gab's kaum Autos. Der Aufstieg war zum Teil sehr steil,
zum Teil auch weniger, aber die Landschaft war durchwegs schön. Nur die schwarzen
Wolken, die sich um die Berge auftürmten waren etwas beunruhigend.
Am Ende von diesem langen Aufstieg erreichte ich einen Grat mit mehreren kleinen
Gipfeln, von Tälern und Pässen getrennt. Der
Goletto di Cadino war der erste dieser Pässe.
Auch wenn dies eher eine Sache fürs Mountain Bike wäre, verliess ich die Strasse
beim Croce Domini Pass und fuhr einige Kilometer
auf einem ungeteerten Weg über Giogo della Bala
und Goletto di Crocette. Ab dem Dosso dei Galli
war es wieder geteert. Aber der Gewitter brach aus. Und dann war's nicht mehr
lustig. Diesmal hatte der Regen die Wettfahrt gewonnen. Es war schnell entschieden,
nicht über den Passo delle Pòrtole zu fahren, sondern direkt nach dem
Maniva Pass ins Tal hinunter zu fahren. Ich fuhr
vorsichtlich auf der nassen Strasse und war auch vollnass, als ich in San Colombano
bei einem billigen aber netten Gasthaus anhielt.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Campo Carlo Magno | 0 | 1680 | |
| Madonna di Campiglio | 2 | 1500 | |
| Pinzolo | 16 | 770 | |
| Tione | 33 | 570 | |
| Sella di Bondo | 38 | 820 | 250 |
| Lodrone | 62 | 390 | |
| Cerreto | 69 | 900 | 510 |
| Bagolino | 72 | 720 | |
| Goletto Gàvero | 88 | 1800 | 1080 |
| Goletto di Cadino | 91 | 1940 | 140 |
| Passo di Croce Domini | 93 | 1890 | |
| Goletto di Rondinino | 94 | 2010 | 120 |
| Passo di Lavena | 98 | 1980 | |
| Passo di Vaia | 100 | 2110 | 130 |
| Giogo della Bala | 101 | 2140 | 30 |
| Sella dell'Auccia | 102 | 2100 | |
| Goletto di Ravenola | 103 | 2070 | |
| Goletto di Crocette | 104 | 2070 | |
| Goletto dei Zocchi | 108 | 1800 | |
| Giogo del Maniva | 111 | 1660 | |
| San Colombano | 121 | 950 | |
| Total | 121 | 2260 |
Strecke 5 (19. Juli 2002): San Colombano - Zeno - Presolana - Zambla - Mezzoldo
In San Colombano habe ich nicht gut geschlafen. Es hatte nichts mit dem Zimmer
oder mit dem Bett zu tun, sondern mit Sorgen übers Wetter (es regnete noch, als ich
ins Bett ging). Am Morgen gab es noch Wolken, aber glücklicherweise kein Regen
mehr.
Um 8 ging's los. Es waren einige Kilometer abwärts oder flach, bis ich in Lavone
ankam, von wo ich rechts hinauf zum Zeno Pass
hinaufstieg. Ich hatte Zweifel über den Zustand dieser Strasse, aber sie war ganz in
Ordnung, mindestens was die aufsteigende Seite betraff, und die Landschaft war auch
ganz schön. Sicher ein von den schönsten Aufstiegen von dieser Tour! Die Abfahrt
nach Pisogne, am nördlichen Ende vom Iseo-See, war lang und zum Teil nass, was
Vorsicht verlangte.
Nachdem ich den Oglio Fluss überquert hatte, konnte ich eine Gruppe von jungen
Fahrern einholen, die eine Training-Fahrt absolvierten. Ich verliess sie wieder in
Corona, als ich den Aufstieg zum Moro-See als Abkürzung probierte. Gerade nach dem
See gab es aber nur noch einen ganz schmalen, steilen Weg hinauf, schätzungsweise
um die 30%. Ich erreichte wieder die normale Strasse ins Valle di Scalve bei Ángolo
und fuhr dann etwa 12 km in einer Schlucht mit mehreren Tunnels. Der erste war lang
(etwa 1,5 km) und ohne Licht. Ich probierte deshalb, auf die alte Strasse dem Fluss
entlang zu fahren. Diese war nicht mehr unterhalten und in schlechtem Zustand,
gerade noch mit Rennrad befahrbar. Der zweite Tunnel war kürzer und auch
unbeleuchtet, aber ohne eine andere Auswahl. In der Mitte gab's eine Kurve und ich
konnte bald gar nichts mehr sehen und musste der Wand entlang abtastend gehen! Es
ist gar nicht nötig zu schreiben, was ich da von diesen verdammten italienischen
Tunnels gedacht habe. Mindestens gab's Licht im dritten. Den vierten bin ich
ausgewischen, aber der Weg am Fluss war diesmal schlechter: ich musste sogar über
gestürzten Felsen und Baumstämmen klettern, das Rad auf der Schulter. Abenteuerlich
war's.
Kurz vor Mittag kam ich in Dezzo an, gerade um eine Flasche Limonade zu kaufen.
Mein Weg ging dann zurück, aber an der Seite der Schlucht steigend. Zum
Presolana Pass wurde es richtig steil. Die
Abfahrt nach diesem Pass war zuerst ganz gut, aber dann gab es viel Verkehr. Kurz
nach Nossa bog ich nach rechts ab, auf eine weniger befahrene Strasse, die zum
dritten Pass des Tages führte, zum Colle di
Zambla. Es war inzwischen wirklich warm, aber der Aufstieg war nicht zu schwer.
Nach dem Pass ging die Strasse noch zwei mal etwas auf und ab, bis ich die kleine
Strasse herausfand, die von Dossena hinunter nach San Giovanni-Bianco führt. Von
dort folgte ich den Fluss Brembo gegen Norden. Ich machte schliesslich Halt, als
die Strasse steil wurde, nämlich in Mezzoldo, das letzte Dorf in diesem Tal. Nach
dieser recht langen Etappe war ich recht müde.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| San Colombano | 0 | 950 | |
| Collio | 3 | 840 | |
| Lavone | 13 | 510 | |
| Colle dello Zeno | 27 | 1420 | 910 |
| Pisogne | 45 | 190 | |
| Corna | 56 | 220 | 30 |
| Dezzo | 73 | 740 | 520 |
| Giogo della Presolana | 81 | 1300 | 560 |
| Clusone | 96 | 620 | |
| Nossa | 104 | 450 | |
| Colle di Zambla | 118 | 1270 | 820 |
| Oltre il Colle | 122 | 1010 | |
| La Forcella | 124 | 1040 | 30 |
| Valpiana | 127 | 920 | |
| Passo Crocetta | 131 | 1050 | 130 |
| S. Pietro | 139 | 600 | |
| S. Giovani Bianco | 143 | 390 | |
| Lenna | 153 | 540 | 150 |
| Mezzoldo | 165 | 880 | 340 |
| Total | 165 | 3490 |
Strecke 6 (20. Juli 2002): Mezzoldo - S. Marco - Splügen - Giraniga
Ich konnte nicht vor 8:30 zur letzten Etappe abfahren, weil ich das Frühstück
im Hotel nicht verpassen wollte. Die Strasse stieg vom Anfang an und bis zum
San Marco Pass war es nicht nur steil sondern
auch lang (1100 m Höhenunterschied). Aber nicht so steil wie die Via Priula, der
alte Weg, den die Venezianer dort zur Verbindung mit Zentraleuropa gebaut hatten,
und von dem man Überreste sehen kann. Es war wenig Verkehr, und die Aussicht über
die Berge der Bergamo Provinz wurde besser und besser. Sobald der Pass erreicht war
öffnete sich die Aussicht auch gegen Norden aufs Veltelin.
Die Abfahrt war sogar länger als der Aufstieg, aber die Strasse war nicht so gut
und ich musste immer wieder bremsen. Als ich in Morbegno im Tal war, bin ich über
den Fluss Adda gefahren, dann nach Westen. Es hatte Gegenwind, aber ich konnte
einen anderen Radfahrer einholen und wir konnten uns dann abwechseln. In der Nähe
vom Como-See nahm ich die Richtung von Chiavenna, also nach Norden, und den Wind
hatte ich dann im Rücken. Zwei Tunnels waren auf dem Weg neben dem See von Mezzola,
aber im Gegenteil zum Vortag war da eine Umfahrung für Fahrräder signalisiert. Ab
Novate wechselte ich auf die andere Talseite, um weniger Verkehr zu haben. Es war
dann schon Mittag, als ich am Fuss vom letzten Pass auf dem Programm war. Der
letzte aber nicht der geringste: der Splügen.
Als ich 1995 von der anderen Seite kam, hatte ich gedacht, die Abfahrt sei steil
und lang; nun war der Höhenunterschied von 300 auf 2100 m in steigender Richtung
vor mir! Als ich schon in der Mitte einer langen Tagesstrecke war, liess ich mir
genug Zeit auch zum Anhalten, zum Trinken, zum Essen oder einfach um die schöne
Landschaft anzuschauen (auch die atemberaubend aufgetürmten scharfen
Strassenkehren). Der Aufstieg war grösstenteils an der Sonne, und ich schwitzte
viel, bis ich beim kleinen See, dann beim Pass und an der Grenze war.
Die Belohnung kam dann in Form einer ganz schönen Abfahrt (sowohl von der
Landschaft wie von dem Zustand der Strasse her). Ab Splügen Dorf erwartete ich
Gegenwind,... was nicht verfehlte und mich im flacheren Teil des Tals bremste. Ich
erreichte Thusis nach der schönen Abfahrten der Rofla- und Via-Mala-Schluchten.
Damit war die Runde abgeschlossen, aber es blieben mir doch noch 50 km.
Es war 7 Uhr als ich nach dem Aufstieg von Ilanz endlich in Obersaxen ankam. Ich
war genau 9 Stunden im Sattel gewesen, sicher eine der härtesten Fahrten, die ich
in einem Tag gemacht habe. Als ich im Chalet ankam, war die Sauna schon heiss. Ich
ging aber nur für zehn Minuten drin: ich hatte ja schon genug geschwitzt. Ich war
selbstverständlich froh, meine Freundin Catrina nach diesen 5 Tagen wieder zu
sehen,... und dass ich ihr erzählen konnte, wie die ganze Tour ohne Zwischen- oder
Unfall gewesen war. Nur, dass ich Nackenschmerzen zurück brachte, aber auch viele
schöne Erinnerungen.
| Distanz (km) | Höhe (m) | Steigung (m) | |
|---|---|---|---|
| Mezzoldo | 0 | 880 | |
| Cola di Ancogno | 10 | 1750 | 870 |
| Passo di San Marco | 13 | 1990 | 240 |
| Morbegno | 39 | 240 | |
| Verceia | 57 | 200 | |
| Chiavenna | 76 | 330 | 130 |
| Cimaganda | 85 | 900 | 570 |
| Pianazzo | 95 | 1390 | 490 |
| Monte Spluga | 104 | 1920 | 530 |
| Splügenpass | 107 | 2110 | 190 |
| Splügen | 117 | 1460 | |
| Sufnersee | 123 | 1400 | |
| Andeer | 134 | 980 | |
| Thusis | 141 | 720 | |
| Rothenbrunnen | 150 | 620 | |
| Bonaduz | 155 | 660 | 40 |
| Versam | 163 | 910 | 250 |
| Ilanz | 175 | 700 | |
| Affeier | 185 | 1300 | 600 |
| Giraniga | 190 | 1250 | |
| Total | 190 | 3910 |
PS / 5.8.2002



